mit Ihnen sprechen. Im Vertrauen: rechnen Sie nicht auf Rückgabe. Selbstverständlich machen Sie ein kurzes Gesuch an die Gestapo deswegen, aber ich persönlich glaube nicht, daß es Erfolg hat. Ebenso wenig wie ich glaube", fügte er sehr ernst hinzu ,,, daß unsere Deportierten ihre Koffer je wiedersehen werden." Ich nickte, ich war der gleichen Meinung. ,, Und was soll ich nun tun? Soll ich wieder ins Heim zurückgehen?" ,, Natürlich, ich wüßte nicht, wem ich sonst die Leitung übertragen könnte. Aber Sie werden es allein machen müssen. Mir ist völlig klar, daß ich damit eine ungeheure Last auf Ihre Schultern lege. Aber ich hoffe, daß Löwenberger Ihnen mit Hilfe anderer, eventuell solcher, die in Ihr Heim neu eingewiesen werden, alle Büro­arbeiten, die Führung der Bücher usw. abnehmen wird. Wollen Sie es versuchen?" Er sah mich freundlich an. ,, Ja", sagte ich einfach ,,, ich will es versuchen. Hoffentlich kann ich es leisten." ,, Mir ist einer von den vielen Steinen vom Herzen", scherzte er ein wenig kläglich ,,, und nun gehen Sie zu unserer Kleiderkammer und lassen Sie sich die aller­notwendigsten Sachen geben. Nehmen Sie sich noch ruhig zwei oder drei Tage Zeit, ehe Sie ins Heim zurückkehren, schon die Nachricht, daß Sie wiederkommen, wird die Karre so lange laufen lassen." ,, Ich möchte morgen vor­mittag wieder zurück", erwiderte ich bittend ,,, heute will ich mich noch ein bißchen erholen, aber länger halte ich es doch nicht aus." ,, Gut", sagte er nach kurzem Sinnen, ,, dann lasse ich Sie morgen im Laufe des Vormittags in Begleitung einer Krankenschwester mit einem Auto ins Heim fahren. Ohne die Oberschwester geht es nicht, denn nur für Krankentransporte darf ohne mich das Auto be­nutzt werden, und ich kann nicht mit hinauskommen. Im übrigen braucht man Sie nur anzusehen, um zu merken, daß Sie wirklich sehr elend sind. Nicht wahr, Sie fangen mit der Arbeit im Heim langsam an, Sie und wir alle brau­chen Ihre Kraft unbedingt." Er stand auf und verab­schiedete sich von mir.

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