mich aus meiner Gruppe. Vor der Gestapobaracke holte mich eine Angestellte der jüdischen Gemeinde ein, deren Name nach dem meinen erklungen war. Der Gestapo­Inspektor, der mir seit der Rückwandererfürsorge nicht mehr unbekannt war, trat zu uns. ,, Sie beide sollen hier­bleiben", rief er zu uns. Fast ungestüm entgegenete Fräu­lein Penz: ,, Auf keinen Fall bleibe ich hier, wenn mein Ver­lobter mitgehen muß. Direktor Stahl hat mir versprochen, daß er mich nicht zum Bleiben zwingen werde, wenn nicht auch meinem Bräutigam hierzubleiben erlaubt wird." ,, Ich will auch mitgehen, sagte ich ruhig. Der Inspektor wandte sich einem hinter uns Kommenden zu. ,, Die beiden wollen nicht hierbleiben, Herr Stahl", sagte er zu unserem Vor­sitzenden. ,, Und ich habe wunder gemeint, was für eine gute Nachricht ich ihnen da bringen kann, setzte er ach­selzuckend hinzu. ,, Bestimmen Sie, was werden soll", schloß er. Fräulein Penz wandte sich aufgeregt Herrn Direktor Stahl zu: ,, Haben Sie vergessen, was Sie mir versprachen?" rief sie fast drohend. Stahl winkte ihr beschwichtigend zu. ,, Nein, das habe ich nicht vergessen, und ich stehe zu mei­nem Versprechen, wenn es mir auch schwer wird", erwi­derte er ruhig. ,, Leider ist es mir trotz allen Bemühungen nicht gelungen, Ihren Bräutigam gleichfalls freizukriegen, nun sollen Sie selbst entscheiden, was Sie tun wollen." ,, Ich gehe mit ihm", sagte sie plötzlich ganz still. Stahl nickte. Sie war entlassen.

Er drehte sich zu mir um. ,, Aber Sie müssen hierbleiben, Frau Doktor, Sie können keine so schwerwiegenden Gründe für Ihr Mitgehen ins Feld führen." Mich mit aller Mühe be­herrschend, sagte ich: ,, Wenn man einmal so weit ist, hat man alle Brücken hinter sich abgebrochen, und es gibt nur noch ein Vorwärts, deshalb lassen Sie mich mitgehen, Herr Direktor!" Energisch schüttelte er den Kopf. ,, Es ist un­möglich, ich brauche Sie dringend und bin glücklich, daß die Gestapo und die Partei Sie freigegeben haben." ,, Die Sache ist erledigt", ließ sich der Inspektor kurz hören.

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