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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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gestritten und gelitten haben, ein Lessing, ein Schiller, ein Uhland und wie sie alle heißen: Das Recht des freien Wortes, das aus einem ehrlichen, empörten Menschenherzen kommt.

Und noch ist es ein Hohn, wenn wir in unserem Deutschlandlied singen: Einigkeit und Recht und Freiheit sind des Glückes Unterpfand.. Für, die Einigkeit hat man jetzt in Deutschland Recht und Freiheit hergegeben. Eine Einigkeit aber, die nur durch Zwang und brutale Gewalt geschaffen und erhalten wird, kann niemals Glück für ein Volk bedeuten.

Hat es, bevor diese blind-eifrigen Fanatiker an die Macht kamen, nicht warnende Stimmen einsichtiger Männer gegeben? Haben diese Männer da- mals nicht darauf hingewiesen, daß Hitler einen Staat voller Kasernenhof- drill und Kadavergehorsam errichten werde, der alles frühere übertreffe, daß ferner das letzte Ziel nationalsozialistischer Außenpolitik der Krieg sei?

©, diese Männer haben fürchterlich Recht behalten. Doch schon damals hat man sie mundtot gemacht, niedergeschrieen, der Vaterlandsfeindlichkeit verdächtigt, nur weil sie sich nicht berauschen ließen, ihr Vaterland mehr liebten, als den Rausch.

Und jetzt beginnt überall im Volke der Katzenjammer. Er wird an Größe dem Rausch entsprechen. Schön war der Gedanke, ein neues deutsches Reich auf nationaler Grundlage und voller sozialer Gerechtigkeit zu schaf- fen, doch zu spät erkannten die berauschten Massen, daß man mit national nicht stilles Sammeln unserer Kraft, nicht würdevolles Bewußtsein innerer Überlegenheit, nicht weises Beschränken auf die Grenzen unseres Landes meinte, sondern lautes Kraftmeiertum, kriegerisches Schreien und krampf- hafte Sucht nach Weltmacht und Weltgeltung. Damit wurde auch das Wort vom Sozialismus zum Trugbild und zur Lüge. Man befreite den Arbeiter nicht von seinem Joch durch die Leistung der Maschine, sondern man machte ihn zum nationalen Arbeitssklaven. An Stelle besserer Lebens- bedingungen für alle, die sich durch die hochentwickelte Technik ergeben sollten, bürdet man den Massen im Interesse des Staates weit größere Lasten auf denn je, und man weiß als Trost nur zu sagen, daß man sich bemüht, diese Lasten gerecht zu verteilen. Man strebte von Anfang an nicht nach einer gesunden Entwicklung zu neuen, besseren Wirtschaftsformen, sondern man machte mit krampfhafter Hast das ganze Deutsche Reich zu einer ein- zigen großen Rüstungsfabrik. Die Vernunft ersetzte man durch brutale Gewalt.

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