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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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eingesetzt hätte, wäre es noch ganz anders gelaufen. Was meinen Sie! Sabotage in einem Rüstungsbetrieb! Das kostet sonst den Kopf!"

Der Angeklagte erwidert nichts. Es war das Klügste. Das Männlein, das sich als Bekannter des Bestraften nachträglich rechtfertigen wollte und sich selbst lobte, sah nicht so aus, als ob er vor seinem strengen Chef besonders fest hingestanden wäre. Wahrscheinlich wird es auch garnicht in seiner Macht gestanden haben, irgend etwas für seinen Bekannten zu tun.

Ich wurde nachdenklich. Vielleicht geht es mir in meinem Falle ebenso. B. wird mir hinterher erklären: Seien Sie froh, Herr Schumann, daß sich Sch. und ich so für Sie eingesetzt haben; nur dadurch sind Sie so billig mit einigen Monaten Konzentrationslager weggekommen. Nein, so gering

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durfte ich von B. und Sch. nicht denken. Sie waren doch von anderem Holze als dieser Beamte, der eben in der Zelle war.

Mein Zellengenosse geriet immer mehr vom Jammern ins Schimpfen: Das wagen die einem ehemaligen Unteroffizier und Teilnehmer an zwei Kriegen anzutun!- Die sollen mir noch einmal kommen mit der NSV. oder irgend einer Sammlung! Überall trete ich aus. Nichts gebe ich mehr! Aus ist's bei mir mit dem Nationalsozialismus. Ganz aus!"

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Wieder einer, mußte ich denken. Drüben in der Gefängniszelle hatte ich ja schon Röẞler und andere Gefangene ähnlich sprechen hören.-

Die Zeit verrann immer mehr, ohne daß jemand nach mir sah. Es wurde einhalb vier Uhr, es wurde vier Uhr, einviertel fünf. Bald würde uns der Gefangenenwagen zurückholen, zur Büchsenschmiere. Für heute gab ich die Hoffnung auf. Da hörte ich draußen Schritte kommen.

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B. erschien und sagte:, Herr Schumann, Sie dürfen heim." Es schien mir, er freute sich darüber nicht weniger als ich mich. Droben in der Halle nahm er mich beiseite: Der Chef ist damit einverstanden, daß Sie sofort ent­lassen werden. Sie gelten auch nicht als bestraft; es wird nirgends etwas eingetragen. Aber eines muß ich Ihnen noch sagen: Lassen Sie Ihre Schreibereien bleiben. Sie sind mit den zwei Wochen Polizeigefängnis sehr glimpflich weggekommen. Wenn Sie noch einmal erwischt werden, geht es nicht wieder so ab; da kann es sehr, aber wirklich sehr eklig für Sie werden, daß Ihnen Ihre Schreiblust bestimmt für immer vergehen wird. Also, Herr Schumann, seien Sie vernünftig, lassen Sie es. So, und hier haben Sie die Bescheinigung, daß Sie entlassen sind. Die geben Sie drüben im Gefängnis ab, damit Sie Ihre Sachen wieder bekommen."

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