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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Sie nicht auf den Bauplatz brauchen. Morgen bin ich allerdings erst am Nachmittag hier, aber wenn ich den Zettel heute abend rüberschicke, wird man Sie morgen nicht zur Arbeit ausrücken lassen.

"Auch gut, dachte ich, erfreut über die Aussicht, bald heim zu dürfen. B. ging hierauf mit mir hinunter und schloß mich in den Bunker. Es war erst neun Uhr; drei Stunden also noch, bis der Wagen mich in das Gefäng- nis zurückbrachte. Nun, ich hatte Brote und Zeitungen in der Tasche.

Nicht lange war ich allein. Ein bekanntes Gesicht tauchte beim Öffnen der Tür auf: der lange Pole, mit dem ich schon vorige Woche einmal in dieser Zelle beisammen war. Er hatte diesmal einen Begleiter bei sich.

Ich bin heute nur als Dolmetscher hier, klärte er mich auf und wies auf den Anderen:Der versteht nicht Deutsch .

Warum ist er hier?

Er hat es gehabt mit deutscher Frau.

Weiter sagte er nichts. Mir genügte es auch. Ich bedaure die Beamten, die sich mit solchen Sachen beschäftigen müssen. Wie verächtlich werden diese Polen darüber denken; der Dolmetscher machte einen klugen Eindruck; ich stellte es heute wieder fest. Vielleicht hat er die gleichen Gedanken, wie ich: entweder hat jener Pole da die deutsche Frau vergewaltigt; dann ist er ein gemeiner Verbrecher und gehört einem ordentlichen Gericht übergeben, das ihn hinter Schloß und:Riegel zu bringen hat. Oder aber und das ist wahrscheinlicher jene, Frau war sehr damit einverstanden, vielleicht gar die Verführerin. Dann haben die beiden es nur vor sich selbst, gegebenen- falls noch vor dem Ehemann der Frau zu verantworten. Die Polizei geht es in diesem Falle nichts an.

So verbrachte ich mit Nachdenken und Lesen den Rest des Vormittags. Am Nachmittag konnte ich drüben in unserer Zelle bei den anderen blei- ben. Es wurde ein Koffer mit der gewünschten Arbeitskleidung für mich abgegeben. So war meine Frau, nachdem sie mich draußen in Zuffenhausen nicht angetroffen hatte, hier hereingekommen. Am Abend bestätigten mir dann die drei Polen , daß eine Frau mit einem Koffer auf dem Bauplatz ge- ‚wesen sei und mit dem Polizeimeister gesprochen habe.

Mit Kleidung war ich jetzt also für den Dreck auf dem Bauplatz einiger- maßen gerüstet. Von mir aus hätte es morgen wieder nach Zuffenhausen gehen können. Drüben, im Bunker der Gestapo , ist es auch nicht gerade ein Vergnügen.

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