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Zelle herauskomme und mich betätigen kann, aber sehen Sie sich bitte das hier an!" Und dabei hob ich meinen Fuß hoch, damit beide Herren sehen konnten, wie auf Schuhen, Strümpfen und Hosenbeinen eine dicke Schmutzkruste klebte.
,, Sie wissen, Herr B.," sagte ich weiter, im Bewußtsein meiner berechtigten Sache immer fester werdend, da ich merkte, wie die Herren durch meine drastische Vorführung sichtlich beeindruckt waren,„ als Sie mich damals in Magstadt von meinem Arbeitsplatz wegholten, trug ich zum Schutze der Straßenkleidung einen Arbeitsmantel, obwohl jene Arbeit bei weitem nicht so schmutzig ist und die Kleidung so strapaziert, wie die Tätigkeit auf dem Bauplatz. Es ist Unvernunft ohnegleichen, Raubbau an den wenigen guten Kleidungsstücken, die wir noch haben, und ein Hohn auf die Kriegsforderung, Sachwerte zu erhalten, in dieser Weise zu arbeiten, bis in Bälde mein Anzug und meine Schuhe völlig heruntergerissen sind."
,, Das geht natürlich nicht", sagte B. leise und betroffen. Und auch der andere Herr ließ eine zustimmende Bemerkung fallen.
Ich war einmal in guter Fahrt und sprach weiter:„ Bei der mustergültigen Ordnung und Organisation drüben im Gefängnis besteht keinerlei Möglichkeit, mich hierüber zu beschweren und von irgend jemand die Erlaubnis zu erhalten, meiner Frau um Arbeitskleidung zu schreiben. Der Oberleutnant ist der einzige, der das erlauben könnte, er geht aber nur nachmittags die Zellen durch, wenn wir nicht da sind. Abends läßt er sich nicht sprechen und am frühen Morgen gleich gar nicht. Ich habe mir somit nicht anders zu helfen gewußt, als den Beschwerdezettel an die Gestapo zu schreiben. Bitte, Herr B., geben Sie mir Gelegenheit, meine Frau zu benachrichtigen, daß sie mir Arbeitskleidung bringt."
Von dem Brief, den ich vorgestern durch einen Wachposten herausgeschmuggelt hatte, erwähnte ich natürlich nichts.
B. wiegte den Kopf hin und her. Schließlich sagte er:„ Ich glaube nicht, Herr Schumann, daß es noch notwendig ist. Der Chef kommt in den nächsten Tagen von der Reise zurück und ich denke, daß Sie dann entlassen werden. Sollte das doch nicht der Fall sein, dann werde ich selbst Ihre Frau anrufen, daß sie Ihnen Arbeitskleidung bringt. Auf die Verhältnisse im Gefängnis drüben haben wir keinen Einfluß, das sagte ich Ihnen ja schon einmal.„ Aber", so fuhr er nach einigem Überlegen fort, ich könnte Sie morgen und, wenn nötig, übermorgen noch einmal hierherbestellen, damit
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9 Nur vierzehn Tage
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