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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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vernehmen. Mit meinen Dreckschuhen und den entsetzlich schmutzigen Hosen wird er ein nettes Bild von mir bekommen.- Vielleicht aber auch läßt man mich doch auf Grund meines Beschwerdezettels von vorgestern jetzt zur Gestapo kommen. Wie dem auch sei: es hat keinen Wert, darüber zu grübeln. Warten wir es ab.

Der Gefangenenwagen ist auch diesmal nicht überfüllt. So zwölf bis fünfzehn Personen. Mit Schaudern denke ich zurück an die Schreckensfahrt, wo wir achtunddreißig Gefangene in diesem Wagen waren. Das sind nun auch schon wieder acht Tage her. Morgen, am Donnerstag, bin ich die zweite Woche im Gefängnis. Die Zeit vergeht hier nicht langsamer als draußen.

Das allgemeine Programm" im Hause der Gestapo ist auch heute un­verändert: zunächst alles vorn links in die Anzeigen- Annahme. Aufstellen in zwei Gliedern, Namenverlesen, Schimpfen und feindliche Blicke, als wären wir alle Schwerverbrecher. Gelegentlich wieder Rippenstöße, wenn einer nicht gleich begreift, wie er sich in Reih und Glied stellen muß. Das alles kannte ich ja schon von früher her; nachdem ich aber inzwischen die menschliche Art kennen gelernt hatte, mit der die Polizei- Vorgesetzten draußen auf dem Bauplatz die Gefangenen behandeln, fiel mir der Unter­schied besonders auf.

Die Sachbearbeiter erschienen in der üblichen Weise und holten sich ihre Leute zur, Bearbeitung" weg. So geht das hier nun Tag für Tag, Woche für Woche, seit Jahren aber wohl nicht mehr Jahre lang.

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Auch B. kam. Schweigend, wie immer, forderte er mich auf, zu folgen. Wir gingen hinauf in sein Zimmer. J., sein Kollege, saß auch wieder da und schrieb. Hier im Zimmer verwandelte sich das strenge Beamtengesicht von B. in ein freundliches, menschliches.

,, Was haben Sie mir vorzubringen, Herr Schumann", begann er.

Aha, also doch mein Beschwerdezettel.

,, Ich weiß nicht, Herr B., ob Ihnen bekannt ist, daß ich seit einigen Tagen arbeiten muß."

Er verneinte es und fragte erstaunt, was und wo ich arbeite. Auch sein Kollege horchte auf.

,, An sich bin ich gar nicht betrübt, daß man mich zur Arbeit wegholt", fuhr ich fort, nachdem ich den Herren die Art der Arbeit näher beschrieben hatte ,,, im Gegenteil, ich bin froh, wenn ich aus der düsteren, stinkigen

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