ein anderer hinzu.
„Alle auf diesen Zettel!“, belehrte uns O. kurz.
Währenddessen hatte ich schon heimlich meinen besseren Bleistift aus der Tasche gezogen, und, den Papierfetzen an die Wand lehnend, darauf ge- schrieben:;
Ich bitte, dort bald vorgeführt zu werden, um eine Beschwerde vorzu- bringen. Wir haben hier keine Gelegenheit, den Herrn Oberleutnant zu sprechen. W. Schumann.
Dann setzte Taube darunter:„Ich will mich ebenfalls beschweren“, und der dritte schrieb das gleiche in seinem Namen. Zum Schluß schrieb ich noch quer an den Rand, denn ein anderer Platz war auf dem kleinen Zettel nicht mehr vorhanden:„Wir haben hier alle nur diesen einen Zettel be- kommen.“
Diesen Zusatz hielt ich für ratsam, denn als alter Soldat wußte ich, daß beim Militär gemeinsame Beschwerden streng verboten sind. Ein ahnungs- loser Kamerad von mir erlebte es am Anfang des Krieges, daß eine ähnliche harmlose Sache ihm beinahe als Meuterei ausgelegt worden wäre. Wer weiß, ob hier bei der Polizei nicht ähnliche Bestimmungen bestehen. Wie leichi kann der Schuß nach hinten losgehen, wenn der Zettel dem Oberleutnant oder irgend einem Wüterich drüben in die Hände kommt.—
Zunächst ging es also wieder zur Arbeit. Die Kolonne war sehr zusam- mengeschrumpft. Fast die Hälfte war an diesem Morgen nach Oberndorf abgegangen. Sechzehn Mann zählten wir noch. Dazu nach wie vor zwölf Wachposten, fast für jeden Gefangenen einen!
Das Wetter war nicht besser als am Vortag, nur anders: statt des Sturmes und kräftigen Regens war heute Nebel und feiner Sprühregen. Den Bau- platz fanden wir naturgemäß noch mehr aufgeweicht, sofern das überhaupt möglich war.
Auch an diesem Tag haben wir Gefangene alle nichts weiter getan, als in der Bude beim Feuer gesessen. Taube, als der Ältere, übernahm von jetzt ab das Amt des Kochs; der frühere war entlassen worden.
Diesmal hatte ich wenigstens alles an neuen Zeitschriften und Zeitungen eingesteckt, so daß der Tag nicht gar so langweilig für mich wurde. Auch
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