gen Tätigkeit zwingt, wie es das Gefangenenbewachen hier war. Es waren durchweg Leute in meinem Alter, gleich mir Teilnehmer am ersten Weltkrieg und Soldaten unter Adolf Hitler im ersten Jahr dieses Krieges. Nach dem Frankreich - Feldzug hatte man sie vom Militär entlassen und später, als man wieder Leute brauchte, zur Hilfspolizei eingezogen.
Einer von ihnen, dem ich erzählte, warum ich im Gefängnis bin, sagte, ich sei immer noch besser daran, als er: ich wüßte wenigstens, daß ich in einiger Zeit entlassen würde, er aber würde erst nach Beendigung des Krieges wieder frei, und der Krieg würde noch sehr lange dauern.
Es war ein selbständiger Handwerksmeister aus einem kleinen schwäbischen Ort. Daheim half sich die Frau mit vier Kindern ohne ihn recht und schlecht durch und wartete gleich ihm sehnsüchtig auf seine Rückkehr. Was könnte er daheim Nützliches schaffen! Hier aber mußte er tagtäglich Gefangene bewachen, die kaum an Flucht dachten. Ist es da verwunderlich, wenn der Mann diese geisttötende und fast überflüssige Tätigkeit hier auch wie Gefangenschaft und Strafe empfand? Ich brauche nur daran zu denken, wie unglücklich ich selbst gewesen wäre, wenn man mich ebenfalls zu dieser Hilfspolizei gepreßt hätte. Es gab in dieser Lage nur einen Trost, den sich wohl alle hier sagten, selbst wir als Gefangene: die Soldaten im Osten leiden noch tausendmal mehr und machen noch tausendmal Schwereres durch; sie sehen auch kein Ende dieses Jammers.
-
Noch ein höherer Vorgesetzter als es der Zugwachtmeister war, erschien nach einiger Zeit auf dem Baugelände, ein Polizeimeister. Er führte einen schönen, großen Hund bei sich. Jetzt wird es aus einem anderen Ton pfeifen, dachten wir. Doch es zeigte sich gar bald, daß er von der gleichen menschlichen Art war, wie der Zugwachtmeister und die Wachposten. Freundlich unterhielt er sich mit uns Deutschen über unsere„ Straftaten". Wir konnten ihm auch die Zustände im Gefängnis schildern, die ihm im allgemeinen nicht unbekannt waren, in den Einzelheiten aber doch sehr interessierten. Immer wieder schüttelte er mißbilligend den Kopf, hütete sich aber, irgend ein Wort dazu zu sagen.
Um zehn Uhr war Frühstückspause, Wir durften alle in unsere Bude gehen. In der Mitte des Raumes brannte ein Feuer, auf dem Kaffee in einer großen Blechkanne warm gemacht wurde. Es war wie ein Stück Wildwestromantik, wenn man diese fremdländischen Gestalten, sich wärmend, um das Holzfeuer sitzen sah, in den schmutzigen Händen die Eßschüssel haltend,
119


