Druckschrift 
Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen
  

Schwarzhaarigen, der auch geborener Pole war, seit Jahren aber in Belgien wohnte.

Das sind ordentliche Kerle; ich bin mit ihnen im Gefängnis zusammen, entschlüpfte es mir; ich stand gerade neben dem Zugwachtmeister.Ja, erwiderte er zustimmend, es sind meine besten Spezialarbeiter. Wenn ich die nicht hätte, stände es schlimm, denn mit den anderen ist meist nicht viel anzufangen.

Ich glaubte es ihm gern. Was konnte man auch von solchen hungern- den und frierenden fremdländischen Gesellen viel verlangen, die für diese Arbeit hier nicht das geringste Interesse hatten.

Nachdem der Zugwachtmeister mit Umsicht und Menschenkenntnis jedem die Arbeit zugewiesen hatte, für die er sich am besten zu eignen schien, sagte er zu uns drei Deutschen , die wir übrig geblieben waren:Etwas muß ich Sie auch schaffen: lassen, sonst bekomme ich Anstände. Aber was? Halt, ich habs: in der hinteren Baracke dort können Sie den Schnee vom Fußboden kehren.

Die betreffende Baracke hatte noch kein Dach. Es war in der Nacht nur

wenig Schnee gefallen; er lag kaum einen Zentimeter hoch. So hatten wir bei dieser Arbeit nur eine Mühe: darauf zu achten, daß wir nicht so bald fertig wurden.

Meine frühere Vermutung, daß es sich bei diesen Barackenbauten, von denen uns die Polen schon im Gefängnis erzählt hatten, um Notunterkünfte für Fliegergeschädigte handele, erwies sich bei näherer Betrachtung als irrig. Nicht Wohnungen wurden hier erstellt, sondern Gefängnisse! Offenbar wurden sie im Deutschland Adolf Hitlers dringender gebraucht. Zwing- burgen, die wir Gefangenen vielleicht für uns selbst bauen. Wieder mußte ich an Schillers Tell denken.

Zum Bewachen der dreißig Gefangenen, die auf dem Platz arbeiteten, waren insgesamt zwölf Wachposten eingesetzt. Man merkte ihnen an, daß sie fast ebenso ungern hier waren, wie wir. Gelangweilt liefen sie in diesem sibirisch anmutenden Gelände auf und ab, das Gewehr umgeschultert. Mit Vorliebe hielten sie sich bei uns Deutschen auf und sorgten durch Gespräche mit uns dafür, daß wir nicht zu früh mit unserer Verlegenheitsarbeit fertig wurden. Es war wirklich ein gemütlicher Verein!

So geht es, dachte ich bei mir, wenn man ältere, strebsame Männer von ihrer Berufsarbeit wegholt und sie zu einer solchen erbärmlich stumpfsinni-

118