Unglücklicherweise hatte an diesem Abend wieder O., der unmenschlichste von den Polizeimännern Dienst. Der Vergleich mit einer Hyäne ist berechtigt. Ich stellte es immer wieder fest. Wenn einen dieser Kerl mit seinen ewig zornig funkelnden Augen ansah und die Hand mit dem Schlüsselbund drohend zum Schlagen erhob, dann war es nicht viel anders, als wenn man wehr- und hilflos vor einer Bestie steht, die im nächsten Augenblick über einen herfallen kann.
Einige Zellengenossen hatten mich gleich am Anfang auf Grund ihrer Erfahrungen in Gefängnissen und Zuchthäusern darüber belehrt, daß der Gefangene, wenn er geschlagen wird, nicht die leiseste Abwehrbewegung mit der Hand machen darf. Das könne nämlich der Beamte als tätlichen Widerstand auslegen, und dann sei man erledigt. Im besten Falle würde man gefesselt und halbtot geprügelt; der Beamte könne einen unter diesen Umständen aber auch sofort niederschießen wie bei einem Fluchtversuch. Man ist also einem solchen Rohling hilflos. ausgeliefert.
In der Tat erlebten wir es dann im Keller, wie er gar nicht weit von uns ein junges Mädchen mit dem Schlüsselbund in Gesicht und Nacken schlug, daß das Klatschen und Schreien durch das ganze Kellergewölbe hallte. Vorsichtig drehten wir die Köpfe zur Seite und blickten verstohlen dorthin; richtig hinzusehen wagten wir nicht; wir mußten ja in langen Reihen mit dem Gesicht gegen die Stirnwand der Weinfässer stehen, wenn wir nicht auch die Schläge mit dem scharfkantigen, großen Schlüsselbund fühlen wollten.
Aber wir hörten zu unserer hellen Freude und inneren Befriedigung, wie eine andere, mutige Gefangene dem Unmenschen laut und deutlich in das Gesicht sagte:„ Sie sollten sich schämen, eine wehrlose Frau so zu schlagen!"
Überraschenderweise erwiderte er nichts und ging weiter; vielleicht haben ihn die Worte doch getroffen. Als er von unserer Nähe weg war, sah ich, wie eine von den Gefangenen, vermutlich jene, die dem Kerl unerschrocken ihre Meinung gesagt hatte, beide Fäuste erhob und halblaut ausrief: ,, O, wenn ich könnte, wie ich wollte!" Es war dramatisch, diese Frau in ihrem gerechten Zorn und in heiliger Empörung so dastehen zu sehen und diese Worte zu hören. So schreien bei einer Aufführung von Schillers Wilhelm Tell die geknechteten Schweizer ihre Qual zum Himmel und sehnen den Tag herbei, wo sie dem Fronvogt seine Schandtaten vergelten können. Und wenn schon im Theater die Herzen aller Zuschauer bei den
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