Druckschrift 
Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
Seite
112
Einzelbild herunterladen
  

lung kannte sie aus zahlreichen Gesprächen, denn ihr gegenüber hatte ich immer offen sein dürfen. Ich wußte, daß sie meine Ansicht ebenso als Überzeugung achtete, wie ich die ihre, wenn sie mir auch niemals zustimmen konnte. Oft mag es ihr weh getan haben, wenn ich ihr sagte, welche ver­derbliche Gefahr ich in Adolf Hitler wie im ganzen gewalttätigen National­sozialismus für unser deutsches Vaterland erblicke, aber sie war trotz ihrer Jugend innerlich groß genug, mich als Mensch nicht geringer zu schätzen oder gar zu verraten, wie umgekehrt auch sie mit ihrer von glühendem Idealismus getragenen Liebe zu Hitler bei mir nicht verlor.

Dem Gespräch mit ihr im Gefängnis, das sich zum Teil um geschäftliche Dinge drehte, wohnte B. von Anfang bis Ende bei. Wie ich später noch erfuhr, hatte diese Besucherin vorher in einer längeren Besprechung mit B. ohne Rücksicht darauf, daß sie als junges Mädel leicht in einen falschen Verdacht kommen könnte, sich in einer Weise für mich eingesetzt und in ihrem Eifer, mich zu retten, die Meinung, die man im Geschäft und im Ort als Mensch von mir habe, so übertrieben gut hingestellt, daß B. im Stillen wohl erst recht bedauerte, mich nicht sofort entlassen zu können.

-

EIN FLIEGERANGRIFF AUF STUTTGART

Wie bei dem Alarm vor etwa einer Woche waren wir auch am Abend jenes Freitag, den 26. November 1943, gerade beim Einschlafen, als Alarm gegeben wurde. Einige von uns schliefen wohl schon. Diesmal lagen wir Achtzehn in quetschender Enge nebeneinander, darunter einige Neulinge; das letzte Mal waren wir nur halb so viel. Es gab deshalb heute ein böses Gewühle im Dunkeln, bis alle ihre Sachen gefunden und angezogen hatten. Hüte, Schuhe und andere Kleidungsstücke wurden in nervöser Hast zuerst verwechselt. Man konnte sich ja nur durch Tasten und Anprobieren über­zeugen, ob es die eigenen Sachen waren. Dreher in seinem Schlafanzug kam besonders in Schwierigkeiten, wie vorauszusehen war. Mit seinem aufgereg­ten Umherschreien verwirrte er die anderen noch mehr. Einige, darunter auch er selbst, waren deshalb erst halb angezogen, als es mit Eile hinaus und hinab in den Keller ging.

112