worten kann, was ich getan habe. Mag man mich hier auch wie einen gemeinen Verbrecher behandeln, mögen in Magstadt lieblose Kinder zu unseren Buben sagen:„ Euer Vater sitzt im Gefängnis", mag mit mir in dieser Sache auch geschehen, was will, es wird mir vor allen rechtlich empfindenden Menschen doch keine Schande bringen.
Das sagte ich meiner Frau und ich erzählte ihr von dem jungen Familienvater, der wegen Diebstahl aus einem Feldpostpäckchen hart bestraft werden wird und von dem erbärmlichen Schicksal einiger anderer Zellengenossen, so daß unser eigenes Los dagegen klein und unbedeutend erschien.
Interessant war es für mich auch, von meiner Frau zu erfahren, daß sie bei ihrem ersten Besuch im Gefängnis ein Buch für mich abgeben wollte, von dem sie annahm, daß es mich ablenkt und unterhält: Gregorovius , Wanderjahre in Italien. Der Wachtmeister habe das Buch jedoch nicht angenommen. Vielleicht, so bemerkte ich, war ihm der Verfassername zu fremdländisch und der Titel politisch verdächtig. Eine Lebensbeschreibung von Heinrich Heine erschien dem unwissenden Beamten sicherlich einwandfreier.
Etwa eine halbe Stunde saßen wir so ungestört beisammen, dann kam B. zurück und mahnte zum Abschluß.
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Doch jetzt kündigte mir meine Frau noch eine Überraschung an. Nein, ich will es hier nicht verschweigen; auch das verdient festgehalten zu werden: Unten wartete noch jemand, um mich zu besuchen, so bald meine Frau wieder herunterkam: ein junges Mädel, Arbeitskameradin und langjährige Schreibhilfe von mir. Sie benutzte einige Sachen, die im Geschäft bei meiner Verhaftung unerledigt liegen geblieben waren, als Vorwand, mich besuchen zu dürfen. In Wirklichkeit ging es ihr darum, mir zu beweisen, daß sie und einige andere Arbeitskameraden unbeirrt hinter mir stehen. Einige überkluge und übervorsichtige Herren im Geschäft hatten sie zwar vor diesem Besuch gewarnt, wie ich später erfuhr: Man wisse ja nicht, was gegen mich alles vorläge und leicht könne man sich damit selbst verdächtig machen. Der Ortsgruppenleiter sei auch nicht gut auf mich zu sprechen. Allen solchen Ratschlägen und Bedenken zum Trotz kam sie aber mutig mit dem Parteiabzeichen am Mantel zu mir, dem politischen Verbrecher.
Sie war eine Nationalsozialistin, die es ernst nahm und fest an Hitler und Deutschlands Sieg glaubte. Ein Charakter, den man auch dann hochachtet, wenn er im anderen Lager steht. Meine entgegengesetzte politische Einstel
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