meine Frau und ich uns sehen und sprechen durften, war eine freudige Überraschung an unserem Hochzeitstag.
B. hatte meine Frau selbst von dem Gestapo - Gebäude herübergeführt. Der schwer vergitterte Nebenraum, in dem ich sie betrübt sitzend antraf, wirkte begreiflicherweise auf jeden Besucher deprimierend. So mußte ich sie mehr aufmuntern als sie mich.
,, Über die Sache selbst wird nicht gesprochen", sagte B. und ging hinaus. Es war sehr anständig von ihm, uns allein zu lassen. So konnte mir meine Frau alles zuflüstern, was sie drüben bei der Gestapo über meine Angelegenheit erfahren hatte und was ich von Magstadt wissen wollte. Sie bestätigte mir, daß Prof. K. am letzten Mittwoch entlassen worden sei. Allen im Ort sei es unerklärlich, warum man mich noch festhält, nachdem sich die Rundfunksache als haltlos erwiesen habe.
Ich erhielt von meiner Frau vor allem auch die Gewißheit, daß eine Haussuchung bei uns nicht vorgenommen wurde. Alle meine Notizzettel und Manuskripte, die mir hätten gefährlich werden können, hatte sie auch sogleich aus dem Hause gebracht, als sie von meiner Verhaftung hörte. Das beruhigte mich sehr. Gott weiß, was mit mir geschehen wäre, wenn alle die Aufzeichnungen, die ich als Soldat gemacht hatte, und die kritischen Bemerkungen zu den Reden Adolf Hitlers in die Hände der Gestapo gefallen wären. Sonderbarerweise ist es B. nie eingefallen, mich auf Grund der in meiner Brieftasche gefundenen Zettel zu fragen, wozu ich diese Notizen gemacht habe und ob ich noch mehr solche Zettel besitze. Nun wird man nichts weiter finden und ich kann nur für die drei Aufzeichnungen bestraft werden, die sich jetzt bei den Akten befinden.
Freilich, sie waren schon schlimm genug; das hatten B. und Sch. meiner Frau zu verstehen gegeben. Sie konnten meiner Frau noch nicht sagen, wie lange ich hier in diesem Gefängnis bleiben werde und ob es zu einer Verhandlung vor dem Sondergericht kommt. B. hatte ihr nur vorsichtig angedeutet, daß mit meiner baldigen Freilassung kaum zu rechnen sei.
Nun, den Kopf kostet es nicht. Wahrscheinlich wird es überhaupt nicht so schlimm werden. Die drei Herren, Sch., B. und auch J., der Kollege von B. werden jedenfalls alles tun, um die Sache abzuschwächen; dieses tröstliche Gefühl hat auch meine Frau auf Grund ihrer Unterredungen mit ihnen bekommen.
Die Hauptsache war ja schließlich, daß ich vor meinem Gewissen verant
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