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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Propaganda für den Glauben und die Sache dieser Bibelforscher machte Stark nicht. Wir erfuhren also nichts über Wesen und Treiben dieser Leute. Ich legte auch keinen Wert darauf. Mich interessierte hier nur der Mensch und was mit ihm geschah, nicht die Sache, für die er eintrat.

Auf meine Frage nach dem Namen des Gestapo -Beamten, der seinen Fall bearbeitet, konnte er leider keine Auskunft geben. Er war bisher dort nur kurz vernommmen worden; auch pflegen sich ja die Herren drüben bei der Gestapo den Verhafteten nicht vorzustellen. Mich interessierte begreif- licherweise, ob Sch., mein Bekannter, diese Sache in Händen hat; ich ver- mutete es, da er mir erzählt hatte, daß ihm die Bibelforscher zugewiesen werden.

Am nächsten Morgen wurde Stark zu einer neuen Vernehmung zur Gestapo gebracht. Als er mittags zurückkam, konnte er mir bestätigen, daß meine Vermutung zutrifft: der Mann, der ihm dort gegenüber saß und der ihn in der bekannten Weise ausfragte, war wirklich Sch. Es freute mich sehr, auch aus dem Munde dieses Bibelforschers ein günstiges Urteil über meinen Bekannten zu hören. Sch. sei bei allem berufsmäßigen Ernst und aller vorgeschriebenen Strenge durchaus anständig und korrekt zu ihm ge- wesen, wie ich es ja in meinem Falle auch von B. sagen kann.Aber, so fuhr Stark in seinem Bericht fort,es kam dann bei meiner Vernehmung noch ein anderer Beamter hinzu, ein dicker, unsympathischer Mensch, der habe ihn angeschrieen, er sei ein großer Vaterlandslump und das beste wäre, man würde ihn ohne langes Federlesen erschießen. Auch der Vater von Stark, dessen inzwischen erfolgte Verhaftung man dem jungen Menschen mitteilte, gehöre hingerichtet; überhaupt alle Bibelforscher.

Aber auch damit ließ sich der junge Stark nicht einschüchtern. Man merkte ihm an: er war bereit, sich zum Märtyrer machen zu lassen und, wenn es sein mußte, für seinen Glauben in den Tod zu gehen. Gegen diese

Menschen versagt Gewalt.

MEINE FRAU DARF MICH SPRECHEN

Unerwartet wurde ich am Freitag Nachmittag herausgerufen. Mit einem weiteren Lebensmittelpaket hatte ich an diesem Tag gerechnet, aber daß

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