forscher und habe aus innerer Überzeugung den Eid auf Adolf Hitler verweigert. Er hieß Stark und stammte aus Ulm .
Was ihm bevorstand, wußte er gut: Welzheim , Konzentrationslager. So mancher seiner Glaubensgenossen saß bereits dort. Wie er sagte, standen seine Angehörigen in geheimer Verbindung mit ihnen. Bis in alle Einzelheiten war er über die Behandlung dort unterrichtet.
Beim Reichsarbeitsdienst hatte man ihn zunächst eingesperrt und durch andere Maßnahmen immer wieder zum Eid pressen wollen. Da er jedoch standhaft blieb, hat man ihn endlich der Gestapo zur weiteren Behandlung übergeben. Wie genau er sich auskannte, das zeigten uns die Worte, mit denen er uns aufklärte:„ Wenn ich bereits Soldat wäre und würde den Eid verweigern, wäre mir Todesstrafe ziemlich sicher. So aber gibt es nur KZ."
Nur KZ., sagte er. Dabei wußte er genau, daß der Aufenthalt in diesem gefürchteten Lager Jahre dauern kann, ja, daß bei einem für uns siegreichen Ausgang des Krieges seine Zukunft hoffnungslos ist. Frohgemut, fast lächelnd, blickte er trotz allem um sich.
So furchtlos mit überlegener Seelenkraft mögen im alten Rom die gemarterten Christen, die sich nicht zur herrschenden Staatsreligion bekennen wollten, auf ihre Peiniger geblickt haben. Es ist immer eine faule Sache, Menschen wegen ihres Glaubens zu verfolgen, mag dieser Glaube nun sein, wie er will; man schafft nur Märtyrer.
Dieser standhafte junge Mann hier wird bei seinen Glaubensgenossen ein Kämpfer und Held sein, nicht anders, als es bei der Waffen- SS ein draufgängerischer, todesmutiger Krieger ist. Und mir scheint, es gehört zumindest ebenso viel Mut und fanatischer Glaube an das Gute und Heilige seiner Sache dazu, angesichts der furchtbaren Strafandrohungen den Eid auf Adolf Hitler zu verweigern, wie im Kugelregen gegen einen übermächtigen Feind vorzugehen.
Nur kleine, auf eine bestimmte Gedankenrichtung eingestellte Geister, können leugnen, daß dieser junge Bibelforscher menschliche Größe zeigte, die Verehrung und Bewunderung verdient, wie alles, wo ein Mann unerschrocken an seiner Sache festhält, von der er glaubt, daß sie heilig und gerecht ist.
Einen guten Eindruck machte es auch auf mich, daß sich Stark gleich am ersten Abend von sich aus bereit erklärte, die Nacht sitzend auf dem Stuhl zu verbringen, um den anderen bessere Liegemöglichkeit zu verschaffen.
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