Druckschrift 
Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
Seite
93
Einzelbild herunterladen

Wie ich später erfuhr, hatte sie einen solchen Eindruck auch bei der Gegenüberstellung mit Prof. K. hinterlassen, die schon am Samstag vorher erfolgt war. Prof. K. konnte dabei ihre Glaubwürdigkeit mehrmals er­

schüttern.

Ich hatte dann noch Gelegenheit, Herrn B. einiges über die unmensch­lichen Zustände drüben im Polizeigefängnis zu erzählen. Es war ihm allge­mein wohl nichts Neues, doch er hörte mich geduldig an. Wohl um sich auch selbst zu beruhigen, erwiderte er mir dann: Ein Gefängnis ist schließ­lich kein Erholungsheim." Ich machte ihn aber darauf aufmerksam, daß es sich hier ja nicht um eine Strafanstalt handelt, sondern um Untersuchungs­gefangene und, so fügte ich noch hinzu, er wisse ja, wie leicht man heute als unschuldiger Mensch in ein solches Gefängnis kommen könne.

Ich erzählte ihm jetzt von dem Mann, der als achtbarer und ehrenwerter Bürger am letzten Samstag Abend lediglich deshalb in unsere dunkle Zelle geworfen worden sei, weil er etwas mehr getrunken habe, als er in der heuti­gen Zeit vertragen konnte. Glauben Sie", so fragte ich ,,, daß man diesen Mann damit für den heutigen Staat begeistert?" Ich hob noch hervor, daß unsere Zelle verlaust ist. Jeder Soldat, der von der Ostfront auf Urlaub komme, werde entlaust, bevor er deutschen Boden betritt. Der Polizei jedoch, die eigentlich über solche Mißstände zu wachen habe, sei es anscheinend ganz gleichgültig, wenn durch ihre unüberlegten Maßnahmen Menschen und Wohnungen in Stuttgart verlaust würden, denn den betreffenden Mann haben, sie am Sonntag Morgen wieder ohne weiteres springen lassen.

Das und manchen anderen Miẞstand im Gefängnis sagte ich ihm. Er hörte mich schweigend an und ich merkte gut, wie sehr er das alles miẞ­billigte. Zum Schluß erklärte er, es sei von ihnen wiederholt angestrebt worden, politische und kriminelle Untersuchungsgefangene in getrennten Häusern unterzubringen. Leider fehlten die Möglichkeiten dazu. Im übrigen hätte man hier bei der Gestapo auf die Verhältnisse drüben im Polizeige­fängnis keinen Einfluß.

Ich wagte dann noch, ihm zu sagen, man könne mich doch vorläufig ent­lassen. Wenn es wegen meiner politischen Aufschriebe zu einer Verhand­lung kommen sollte, so stände ich ja jederzeit zur Verfügung. Fluchtver­dacht sei bei den heutigen Verhältnissen wohl unsinnig, zumal ich Familie und ein eigenes Haus hätte. Und Verschleierungsgefahr läge nun auch nicht mehr vor, nachdem alles schriftlich festgelegt sei.

93

33