im Hause seinen Namen gehört hatte und zum dritten, daß B., veranlaßt durch meinen Vorschlag, mich schriftlich zu rechtfertigen, mich in dieses Zimmer zu ihm führte. So, wie ich Sch. kannte, würde er sich bestimmt für mich einsetzen.
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Und er flüsterte mir dann auch leise zu: Was macht Ihr in Eurem Mag stadt für Geschichten! Schweizer Sender aufgedreht? Mensch, Schumann, wie könnt Ihr aber auch so dumm sein, Euch die Nachrichten durch das Telefon mitzuteilen. Ihr müßt Euch doch sagen, daß mitgehört werden kann." Ich sagte auch ihm, ich wüßte nicht, ob es sich tatsächlich um ausländische Nachrichten gehandelt habe.
,, Na, Ihnen kann in dieser Sache sowieso nichts passieren. Wie ich von meinem Kollegen B. erfahren habe, hat die Anklägerin gleich erklärt, daß Sie unschuldig sind. Sie belastet nur den anderen, den Professor. Und wegen Ihrer dummen Zettel- Notizen habe ich B. auch aufgeklärt, was Sie für ein Mensch sind. Ungeschehen kann man es jetzt freilich nicht mehr machen, wo alles schon bei den Akten ist.- B. hat mir vorhin gesagt, was Sie vorhaben. Also, setzen Sie sich da an den Schreibtisch und schreiben Sie in aller Ruhe nieder, was Sie auf dem Herzen haben. Sie brauchen sich dabei nicht beeilen; der Mann, der sonst hier sitzt, kommt heute nicht wieder. Wenn Sie bis Mittag nicht fertig werden, machen Sie eben am Nachmittag weiter. Da, essen Sie erst noch einen Apfel."
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Ich fragte Sch., ob er auch derartige politische Fälle zu bearbeiten habe. Es sei doch furchtbar, Menschen, die an sich anständig und rechtschaffen sind, ins Gefängnis zu bringen. Ich entsann mich dabei, daß Sch. seinerzeit in Ulm durchaus nicht ein begeisterter Anhänger Adolf Hitlers war. So hatte mir damals meine Braut erzählt, daß er sich einmal voller gesundmenschlichem Zorn und voller Abscheu über verschiedene an Juden begangenen Miẞhandlungen ausgesprochen habe, die er in seinem Dienst mit ansehen mußte.
,, Ich habe die Angelegenheiten der Bibelforscher zu bearbeiten", klärte er mich jetzt auf.„ Sie sind verboten und betätigen sich weiter; da sieht es schon ernster aus. Aber ich muß mich erst noch einarbeiten; die meisten Sachen habe ich halb erledigt von meinem Vorgänger übernommen."
Man merkte ihm an, daß ihn diese Arbeit nicht erfreute. Schließlich flüsterte er mit bezeichnendem Gesichtsausdruck:„ Es wird höchste Zeit, Herr Schumann, daß der Krieg zu Ende geht."
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