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so wollen wir ihn hier nennen nichts wissen. Es ließ ihn weiter sein untätiges Leben führen, das keinem schadete, einigen aber, die an dem reichen jungen Mann gut verdienten, sehr nützte. So säße dieser Mensch heute noch ungestört in diesem schönen Schwarzwaldort, wenn ja, wenn die lieben Mitmenschen nicht wären, neidisch und erbarmungslos, wenn es dabei um ihren eigenen Vorteil geht.
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Verwandte jener Frau, bei der dieser Jentsch wohnte, kamen aus Stuttgart hin und wieder zu Besuch dorthin. Es müssen besonders gute Nationalsozialisten gewesen sein. Lange Zeit, auch noch nach dem Aufruf zum allgemeinen Arbeitseinsatz, scherten sie sich nämlich nicht darum, ob dieser sonderbare Untermieter arbeitete oder nicht. Sie waren immer recht freundlich zu ihm, wie sich das bei einem so unerhört reichen Mann, der mit Geldausgeben durchaus nicht kleinlich ist, schon aus Klugheit empfiehlt. Dann aber kam im Herbst 1943 die Zeit, wo in Stuttgart die Bombenangriffe öfter und beängstigender wurden. Jene Leute bekamen Angst, nicht nur um ihr Leben, sondern auch um das viele wertvolle Hab und Gut, das sie gern irgendwo in Sicherheit gebracht hätten. Dazu wären nun in dem stillen Schwarzwaldort die drei Zimmer, die dieser Herr Jentsch bewohnte, recht geeignet gewesen. Alle die vielen kostbaren Möbel, Betten, Kleidungsstücke und sonstigen Sachen könnte man dort gut unterstellen und abwechselnd selbst immer wieder auf einige Zeit hinfahren, wenn es in Stuttgart zu brenzlich wird. Zwar die Wuchermiete, die der reiche junge Mann zahlte, würde man den Verwandten vielleicht ebenfalls zahlen müssen, aber man war ja auch nicht gerade arm, und schließlich: was spielt heute schon das Geld für eine Rolle, wenn es darum geht, alle seine geliebten Gegenstände zu erhalten?
Herr Jentsch jedoch war von diesem Vorschlag alles andere als begeistert. Er wollte keineswegs ausziehen. Ja, er wurde sogar ungewöhnlich heftig. Unverblümt, wie ein zorniges Kind, sagte er, daß man bisher lange Jahre an seinem Gelde recht froh gewesen sei, jetzt wiege es aber anscheinend nicht mehr so schwer. Vielleicht hat er in der Erregung auch noch Beleidigungen gesagt.
Nun, das braucht man sich ja nicht gefallen zu lassen, besonders wenn man Parteigenosse ist. Diesen bockbeinigen jungen Menschen wird man schon aus seiner Wohnung herausbringen, und wenn er noch so viel Geld hat. Das wäre ja gelacht. Gott sei Dank gibt es im neuen Deutschland Stellen, die da schnelle und gründliche Arbeit machen.
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