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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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stürzen sich die Forscher, Mediziner und Psychologen mit Vorliebe. Und wir erfuhren auch, daß dieser Mensch schon wiederholt in Kliniken und Anstalten zur Beobachtung war, so auch bei Prof. W. in Stuttgart . Bei der Musterung zum Militärdienst ist er dauernd wehrunfähig geschrieben wor­den, was wohl deutlich für den Grad seiner Krankheit spricht.

Dabei stammt er aus einer alten Offiziers familie, ist aber Waise. Ein Onkel, der sich seiner annimmt, ist zur Zeit als hoher deutscher Offizier in Paris tätig. Fast unwirklich und höchst seltsam, wie alles an diesem Men­schen, sind die finanziellen Verhältnisse, in denen er lebt und die er uns mit kindlicher Offenheit darlegt:

Er besitzt bei einer Bergbaugesellschaft in USA Anteile von fantastischer Höhe. Der Schatz wird von Verwandten drüben im Amerika für ihn ver­waltet. Noch während des Krieges, bevor Deutschland die Beziehungen mit Rußland und Amerika abgebrochen hatte, sind für ihn einige weitere Hun­derttausend Mark auf dem Wege über den Osten auf eine hiesige Bank ein­gezahlt worden, von denen er jetzt lebt. Das ist aber nur ein kleiner Teil seines riesigen Vermögens.

In einem größeren Kurort des württembergischen Schwarzwaldes bewohnt er seit langem drei Zimmer eines schönen Privathauses bei Leuten, die ihn bedienen. Das Essen wird ihm regelmäßig von einem mir gut bekannten großen Hotel in der Nähe gebracht. Der Betrag, den er allmonatlich für Miete und das alles entrichtet, übersteigt mein Monatsgehalt um einige ärmsten Verhältnissen hundert Mark. Einigen Mitgefangenen, die aus kamen, schwindelte bei diesen Summen wahrscheinlich der Kopf. Ihnen mag wohl zumute gewesen sein, als hörten sie ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht . Und doch erwies sich später alles als Wahrheit.

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Ist es verwunderlich, daß ein solcher Mensch in seinem Leben noch nicht gearbeitet hat?. Sein überzartes, ungewöhnlich feinnerviges Wesen macht ihn wohl auch zu jeder ernsthaften und ausdauernden Arbeit ungeeignet. So betrachtete er es als ein großes Glück, daß ihm das Schicksal Geld genug in die Wiege gelegt hatte, um ihm wirtschaftliche Sorgen und den harten Kampf um das Dasein zu ersparen.

Aber der nationalsozialistische Staat fragt nicht danach, ob einer Geld hat. Wir stehen im totalen Krieg. Anfang dieses Jahres befahl das Gesetz den Arbeitseinsatz aller Männer und Frauen bis zu einem bestimmten Alter. Zwar das Arbeitsamt in dem betreffenden Kurort wollte von Herrn Jentsch

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