als diese rohen Polizisten hier zu ihren Gefangenen. Manchem, wie vor allem dem sattsam beschriebenen O., traue ich ohne weiteres zu, daß er zur Nilpferdpeitsche greifen würde, wenn er die Erlaubnis und Gelegenheit hierzu hätte. O, heiliges Deutschland !
Unsere Türe wurde aufgeriegelt.„ Fenster zu!", schrie es herein. Wie ein Affe kletterte einer am Eisengestell schnell hoch und schloß das Fenster. Dann wurde Licht eingeschaltet und ein Gefangener hereingeschoben.- „ Nur einer!", stellte Rößler befriedigt fest. Es war ein Pole mit kurzgeschorenen Haaren, der nur sehr schlecht Deutsch sprach, anscheinend auch keine Lust zum Reden hatte. Ohne viel zu fragen und sich lange umzusehen, breitete er seinen schäbigen Mantel auf dem Fußboden aus und legte sich drauf. Die Matratzen waren schon von uns belegt. Es war gut, daß der Pole nicht viel Umstände machte, denn schon wurde draußen das Licht wieder ausgeschaltet und nichts war mehr zu sehen.
Doch es sollte nicht die letzte Störung in dieser Nacht gewesen sein. Nach einer weiteren Stunde, vielleicht waren es auch zwei, wurden wir durch Poltern und Stimmen draußen geweckt. Der Lärm kam an unsere Zellentür. Sie wurde aufgeriegelt und eine weitere Gestalt hereingeschoben, diesmal ohne das Licht einzuschalten.
,, Macht doch Licht!", sprach der Fremde in gutem Schwäbisch . Und wir merkten gleich, daß er mehr getrunken hatte, als er vertragen konnte. ,, Du Bachel, meinst Du, Du bist hier im Hotel, wo jeder einen Schalter am Bett hat!", antwortete ihm der Sträfling vom Heuberg. Alles lachte.„ Leg Dich dorthin, wo Du stehst", sagte Rößler. Diese Ortsbestimmung war nur nach der Schallrichtung möglich, denn in keiner Dunkelkammer hätte es finsterer sein können, als in unserer Zelle. Gar zu gerne hätte ich gewußt, wie dieser Mann aussah, doch da blieb nichts übrig, als bis zum Morgen zu
warten.
Der Fremde begehrte auf:„ Herrgott, so macht doch Licht!" Als das nichts half, verlegte er sich aufs Bitten:„ Ihr lieben Leute, seid doch so gut." Anscheinend glaubte er noch immer, trotz unserer Zurufe und Belehrungen, es läge an unserem Willen.
Jetzt tastete er selber nach einem Schalter und erwischte den eisernen Ring an der Zellentür. Den klapperte er auf und nieder und rief dabei immerzu: ,, Ich will raus! Ich will raus!"
,, Laß das sein", ermahnte ihn Rößler ,,, sonst kommt der Wachtmeister
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