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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
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gen Wachtmeister O. nicht schnell genug fassen, obwohl jeder sah, wie ver­ängstigt er sich beeilte. Kerl, wenn du nicht schneller machst, schlage ich dir den Schlüsselbund ins Genick!", sagte der Hyänenmensch mit wüten­dem Gesichtsausdruck. Das waren anscheinend seine Lieblingsworte, denn diese Drohung hatte ich nun schon etliche Male aus seinem Munde gehört. In der Tat, er hob jetzt die Hand mit dem klirrenden Schlüsselbund drohend hinter Lammer, und es fehlte nicht viel, da hätten wir ein erbärmliches und fluchwürdiges Schauspiel mit ansehen müssen.

Sicherlich hätte uns Lammer noch gern die Hand zum Abschied gereicht. Das war jedoch unter diesen Umständen unmöglich. So mußte er sich da­mit begnügen, uns einen flüchtigen, aber zu Herzen gehenden Blick zuzu­werfen. Ich glaube, der Blick hat hauptsächlich mir gegolten. Vielleicht habe ich mich getäuscht, aber auf Grund der Gespräche, die wir zwei am Tage vorher miteinander geführt hatten, waren wir uns trotz der kurzen Zeit des Kennenlernens menschlich nahe gekommen, als verbände uns eine langjährige Freundschaft. Den Abschiedsblick werde ich wohl nicht mehr

vergessen.

Mir erzählte einmal eine gemütvolle Frau, daß sie lange Zeit einen Hund gehabt hätte, der dann wegen Krankheit getötet werden mußte. Als er von ihrem Mann zum letzten Gang weggeführt wurde, hätte er mit seltsam trau­rigen Augen zu ihr zurückgesehen, als sei sich das Tier bewußt gewesen, was man mit ihm vorhatte. Den Blick werde ich nie mehr vergessen", sagte die Frau damals zu mir. Sicherlich hatte sie bei ihrem Schmerz über die Trennung von dem Hund und bei ihrem Mitgefühl mit seinem bevor­stehenden Tod sich nur eingebildet, der Hund blicke sie so traurig und ver­stehend an, während das Tier ganz natürlich aus den Augen sah, wie sonst auch.

man

Aber dieser Mensch hier wußte, was ihm bevorstand. Und wenn schon bei einem Hund so viel Teilnahme zeigt, so brauche ich mich wohl nicht übermäßiger Weichheit und Empfindsamkeit zu schämen, wenn ich gestehe, daß mich das tragische Schicksal dieses Mannes und das traurige Scheiden von ihm stark beeindruckt hat. Er war ein anständiger Charakter, das hatte ich sofort gefühlt.

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Wir waren jetzt nur noch acht Mann in der Zelle. Durch das geöffnete Fenster kam Licht und Luft, und im Ofen hörten wir, wie von draußen Feuer gemacht wurde. So war es hier auszuhalten, zumal man bei den

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