Sofort bildeten sich Gruppen, die die schweren Eisengestelle herabklappten und Matratzen und Decken herausnahmen. Rößler leitete das Ganze. Er war nun einmal der anerkannte Häuptling dieser Gesellschaft.„ Da, diese Matratze und die Decke hier nehmen Sie", sagte er zu mir, nachdem er sich auch seine Sachen gesichert hatte.„ Und Sie legen sich am besten hier in die Ecke auf den Platz neben mir. Der Mann, der bisher dort lag, ist heute Morgen weggekommen." Und während jeder seine kurze Matratze auf den Fußboden eng an die anderen zu einer langen Reihe legte, erklärte mir Röẞler noch flüsternd, wie wichtig es sei, daß einer aufpasse und die Reihenfolge der Lager bestimme. Die drei Polen , bei denen man nicht sicher sei, ob sie alle Läuse haben, kommen immer oben in die Ecke an das Fenster, wo es auch am kältesten ist. Der Mann mit der Tuberkulose liegt ganz für sich an der Wand uns gegenüber. Rößler achtete auch sehr darauf, daß jeder immer die gleiche Decke und Matratze bekam. So wurde durch die Vernunft der Gefangenen das Unheil nach Möglichkeit vermieden, das durch die Unvernunft der Polizei entstehen konnte.
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Kaum waren die Matratzen alle ausgelegt, da ging die Tür wieder auf: ,, Kübel rein! Wasserkrug rein! Leinentücher holen!" Alles wurde im
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scharfen Kommandoton geschrieen.
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Rößler, der vorne stand, nahm schnell die bezeichneten Sachen herein. Dann sprangen wir alle im Laufschritt einer hinter dem andern im Gefängnisflur entlang zu einem Regal vorn an der Tür. Daraus nahm jeder ein zusammengerolltes Leinentuch. Drei Polizisten hatten sich hierbei im Flur aufgestellt, feuerten durch Schimpfworte zu größter Eile an, als ob das Haus brenne, und paßten wie Detektive auf, daß jeder nur ein Tuch nahm. Beim Aufrollen der Tücher in der Zelle zeigte sich, daß sie mehr schmutzig- schwarz als weiß waren. Aber es empfahl sich schon, auf diesen Leinentüchern zu liegen, die wenigsten ab und zu einmal gewaschen wurden, als direkt auf den großen, fleckigen und dreckigen Matratzen, die sicherlich seit Jahr und Tag nicht gereinigt worden waren. Weiß Gott , wer da schon alles drauf gelegen hatte.
Rößler riet mir, zum Schlafen möglichst wenig auszuziehen, auf jeden Fall die Hose anzubehalten, nicht nur aus hygienischen Gründen und wegen der Kälte nachts, sondern auch für den Fall eines Fliegeralarms. Die Gefangenen müssen sich dann völlig im Dunkeln schnell anziehen. Ich solle sehr darauf achten, alle meine Sachen in greifbarer Nähe zu haben.
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