Die Luft hier in der Zelle war auch bald so, wie in einem Tierhaus. Das kleine Fenster, das am Vormittag offen stand, hatte ein Gefangener geschlossen, weil der Ofen erkaltet war und einige froren. Wenn man bedenkt, daß verschiedene Insassen der Zelle seit Monaten keine Möglichkeit gehabt hatten, zu baden und die Wäsche zu wechseln, dann kann man sich eine Vorstellung von ihrer Ausdünstung machen. Hierzu kam noch der liebliche Duft von dem Abort- Eimer, den von Zeit zu Zeit ein anderer benutzte.
Es war eine Barbarei. Und das geschah nicht in irgendeinem weit entfernten finsteren Land der Erde unter halbwilden Völkern, sondern hier in unserem als so hochstehend gerühmten Neuen Deutschland des Dritten Rei ches und ausgerechnet bei der Polizei, die überall auf Ordnung, Sauberkeit und hygienische Zustände zu sehen hat.
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, Wird man hier niemals an die Luft geführt?", fragte ich.
,, Nein, das gibt es hier nicht", antwortete man mir.„ Drüben, im Untersuchungsgefängnis, da kommen die Gefangenen ab und zu eine halbe Stunde in den Hof, wo sie hintereinander immer im Kreis herumlaufen müssen."
,, Da ist es überhaupt viel besser", sagte ein anderer, der auch schon einige Vorstrafen hinter sich hatte und sich auskannte. Dort ist man zu zweit in einer Zelle, hat sein Bett und seine Ordnung, kann sogar Bücher leihen. Aber hier in diesem Stall ist es schlimmer als in jedem Zuchthaus." Und einige andere bestätigten es.
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Was habe ich hiergegen im Gefängnis von Mannheim für eine schöne Zeit gehabt", begann jetzt Rößler zu erzählen.„ Wir mußten nach den Fliegerangriffen Aufräumungsarbeiten machen. Die Bevölkerung schob uns Lebensmittel und Rauchwaren zu, wenn wir ihnen behilflich waren, fast mehr, als wir brauchen konnten. Wir haben noch den Wachleuten davon abgegeben. Die waren auch froh, wenn sie etwas zusätzlich bekamen. Und dann erst, als ich mit im Kühlhaus arbeiten mußte, das die Engländer auch zertrümmert hatten: soviel Wurst und andere gute Sachen habe ich in meinem ganzen Leben nicht gegessen, wie in dieser Zeit. Und was ist da verschoben worden! Meine Herren...!" Und er rollte vor uns ein Bild der Schiebung und Korruption auf, worin so ziemlich das ganze Gefängnis verwickelt war, Gefangene wie Aufsichtsbeamte. Ich staunte nur so bei dieser Erzählung. Es mag vielleicht sein, daß Rößler einiges übertrieben und dazu gemacht hat, aber so ganz frei erfunden war es nicht, das merkte man. Dazwischen fragte er mich immer wieder ungeduldig nach der Zeit, ob es
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