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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Strafen waren damals im Vollgefühl unserer Kraft für politische Vergehen besonders hoch.

Da er lungenleidend war, kam er nicht nach Ludwigsburg , sondern auf den Asperg . Nach Verbüßung der Strafe steckte man ihn auf unbestimmte Zeit in das Welzheimer Konzentrationslager, obwohl sich sein Gesundheits- zustand inzwischen bedenklich verschlechtert hatte. Eines Morgens erklärte er dort, sie könnten mit ihm machen, was sie wollen, er würde auf seinem Lager liegen bleiben und nicht mehr aufstehen, denn sie müßten doch selbst sehen, daß er zum Arbeiten zu schwach sei. Daraufhin haben sie ihn hier- her in das Stuttgarter Polizeigefängnis transportiert.Meine Akten sind in- zwischen nach Berlin zur Begutachtung geschickt worden und gestern zu- rück gekommen. Morgen geht es ab, nach Dachau , schloß er seinen Bericht.

Und dort?, fragte ich, voll Mitleid mit dem Schicksal dieses Menschen, der in meinen Augen so unschuldig war, wie ich selbst.

Dort..?, seine Augen blickten wieder so seltsam. Dann sagte er schließ- lich mit verzweifeltem Lachen:Der Fachausdruck lautet: man geht durch den Kamin.

Als ich nicht gleich verstand, fuhr er fort:Dachau ist für solche Fälle eingerichtet. Das Lager hat ein eigenes Krematorium. Die Angehörigen er- halten die Mitteilung: er ist seinem Leiden erlegen. Gegen Erstattung eines Betrages können sie sich die Asche kommen lassen.

Mir schauderte. Das ist ja furchtbar. Das ist ganz entsetzlich. Dieser Mensch ist also einem zum Tode Verurteilten gleichzusetzen, nur daß er nicht hingerichtet wird, sondern wahrscheinlich durch eine Spritze oder irgend eine andere hoffentlich schmerzlose Art getötet wird. Wie jener, weiß auch er sein Schicksal und hat vielleicht die gleichen inneren Ängste und Qualen, die der Gewißheit des baldigen gewaltsamen Todes vorausgehen.

Wie war es im Zuchthaus?, fragte ich nach einer Pause des Nachden- kens.Nicht so schlecht, wie man annimmt. Es gibt überall Menschen und Unmenschen unter dem Aufsichtspersonal. Wie ich Ihnen heute Vor- mittag schon sagte, sind die schlimmsten Feinde des Gefangenen die Mit- gefangenen.

Und in Welzheim ? Stimmt es, daß die Gefangenen dort geschlagen wer- den?Ich habe bei meiner Entlassung dort unterschreiben müssen, daß ich nichts weiter erzähle. Damit wissen Sie alles. Sollten Sie auch nach

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