Hiergegen hat er wohl etwas zu laut und heftig aufbegehrt. Das Gefängnis hält man für die geeignete Einrichtung, ihn zu beruhigen.
Ich war bei diesen Erzählungen der Gefangenen keineswegs gutgläubig. Wie ich selbst den anderen die Geschichte mit meinen Notizzetteln ver- schwiegen hatte, so hielt ich es für durchaus wahrscheinlich, daß auch sie mir nicht alle ihre Vergehen erzählten. Ein Gewaltverbrecher war aber keiner von ihnen, das hatte ich längst gemerkt. Die meisten machten im Gegenteil einen recht harmlosen Eindruck. Einige, die wegen leichter Ar- beitsvergehen da waren, wurden auch in den nächsten Tagen ohne weitere Bestrafung wieder entlassen. So der junge Berliner, der heiraten wollte und der Schneider.
„Sind die Zellen hier alle so belegt?“, fragte ich weiter.
„Alle sind voll“, sagte Rößler.„Ich schätze, das so hundertfünfzig bis zweihundert Gefangene hier sind. Vorn in Zelle 2 sind Frauen, hinten sind Ausländer, Polen , Russen und andere, mindestens fünfundzwanzig bis dreißig Mann in einer Zelle, ganz zuletzt Juden.
Es drängte mich jetzt, noch etwas zu wissen:„Wo geht man hier hin, wenn man ein Bedürfnis hat?“
„Zu dem Kübel dort in der Ecke.“
Erst jetzt bemerkte ich nicht weit von der Tür einen Kübel stehen, in Form und Größe wie ein normaler Eimer, nur durch einen besonderen Deckel einigermaßen dicht abgeschlossen.— Und das bei zweiundzwanzig Mann!, dachte ich.
„Wer leert den Kübel?“
Ich erfuhr, daß hierzu besondere Gefangene als Arbeitskräfte eingesetzt sind. Sie werden Kalfaktor genannt.
„Vor ihnen muß man sich besonders vorsehen“, sagte einer.„Sie sind oft schlimmer als die Wachleute und verraten ihre Mitgefangenen, um sich dadurch Vorteile zu verschaffen.“
Daran anknüpfend begann der schwach und krank Aussehende, der die Zuchthausstrafe hinter sich hatte, mit mir in der Ecke ein Gespräch.„Die schlimmsten Feinde der Gefangenen“, sagte er,„sind nicht die Männer, die draußen mit dem Schlüsselbund auf und ab laufen; viel schlimmer sind die Mitgefangenen selbst. Es gibt wahre Teufel darunter, die einem das Leben ' zur Hölle machen; Bestien in Menschengestalt, die um ein Stück Brot ihre Zellengenossen lebendig in Stücke reißen könnten.“
2 Nur vierzehn Tage 17


