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Nur vierzehn Tage : ein Tatsachenbericht / Walter Schumann
Entstehung
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Mantel an und machte mir mit einer Fingerbewegung schweigend klar, daß ich ihm zu folgen habe. 2; Wir gingen durch die Stadt zum Polizeigefängnis in der Büchsenstraße.

Hier sah es schon im Erdgeschoß und Treppenhaus weniger freundlich aus,

als in dem Gestapo -Gebäude. Vier Stockwerke ging es auch hier hinauf. Dort droben war der Flur in seiner ganzen Breite bis hinauf zur Decke durch eiserne Gitterstäbe abgeschlossen, wie bei einem Raubtierkäfig. Der Gestapo -Beamte läutete an der Klingel.

Das also ist die berüchtigteBüchsenschmiere, wie dieses Polizeigefäng- nis im Stuttgarter Volksmund genannt wird! Schon manches habe ich dar- über gehört. Jetzt soll ich diese Büchsenschmiere also einmal selbst kennen lernen. Als Gefangener. Nun, ich werde auf diese Art feststellen können, was an den schrecklichen Dingen, die man sich von diesem Gefängnis er- zählt, wahr ist. Das Beobachter-Interesse wog bei mir jetzt, wie auch später, während der Tage meiner Gefangenschaft, vieles Unangenehme und Schwere einigermaßen auf. Mit der gleich am Anfang gefaßten Absicht, später ein- mal meine Erlebnisse wahrheitsgetreu niederzuschreiben, bemühte ich mich, alles, was ich sah und hörte, fest in das Gedächtnis einzuprägen.

Während wir vor dem Raubtierkäfig warteten, bis geöffnet wurde, sagte ich zu meinem Begleiter:Vierundvierzig Jahre bin ich alt geworden, ohne daß ich jemals etwas Ernstes mit der Polizei zu tun hatte. Jetzt sperren Sie mich in das Gefängnis, obwohl Sie wissen, daß ich unschuldig bin. Wie lange beabsichtigen Sie eigentlich, mich festzuhalten?Das liegt ganz bei Ihnen, antwortete er.

Durch die Gitterstäbe sah man jetzt drinnen einen Polizeiwachtmeister kommen. In seiner Hand klirrte ein großer Schlüsselbund. Ich wurde in einen Nebenraum geführt und mußte sämtliche Taschen leeren. Dann be- fahl mir der Wachtmeister, mich ganz auszuziehen. Als ich Rock und Weste abgelegt hatte, gab er sich jedoch zufrieden:Sie werden keine Läuse haben, lassen Sie die Wäsche nur anNein, erwiderte ich,Läuse habe ich "nicht; hoffentlich bekomme ich hier keine.

Währenddessen hatte der Gestapo -Beamte am Tisch sitzend den Inhalt meiner Brieftasche studiert.Was sind das für Aufzeichnungen hier?, fragte er mich scharf.

Jetzt also war es soweit. Ich hatte schon darauf gewartet.

Das hat nichts weiter zu bedeuten, sagte ich und bemühte mich, gleich-

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