Teil scharf gegen die führenden Männer richteten. In solchen heimlichen Niederschriften sah ich nun einmal für mich die einzige Möglichkeit, mir wenigstens etwas Luft zu machen. Mit anderen Menschen über solche Gedanken zu sprechen, hätte den Kopf kosten können.
Der Gestapo - Beamte holte jetzt auch sein Frühstücksbrot hervor. So fuhren wir schweigend, jeder sein Brot essend, durch den spätherbstlichen Wald. Es war der achtzehnte November 1943, ein Donnerstag. Eigentlich ist es lange her, seit ich das letzte Mal in einem so guten Mercedes - Wagen saß, mußte ich denken. Wie oft bin ich vor dem Kriege mit meinem eigenen, viel bescheideneren Wagen diese Straße hier nach Stuttgart gefahren. Die heutige Fahrt würde aber wohl die denkwürdigste sein und bleiben: als Verhafteter der gefürchteten Gestapo . Vorn im Wagen ein Gestapo - Beamter und neben mir einer.
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Eine stumme, aber furchtbare Sprache sprachen am Stadtrand und im Inneren von Stuttgart die frischen Ruinen der beim letzten Bombenangriff zerstörten Häuser. Haben diese Herren hier angesichts solchen Elends nichts Nützlicheres zu tun, als derartigen erbärmlichen Anzeigen nachzugehen, wie meinem Fall eine zugrunde liegt? Da werden zwei gesunde, wehrfähige Männer eingesetzt, um diese Lappalie zu verfolgen; sie verfahren den knappen Betriebsstoff, verbrauchen Zeit und verschreiben Papier. Das alles geht dem wirklichen Kriegseinsatz verloren. Die Nachrichten, die mir Prof. K. durch das Telefon mitgeteilt hatte, beruhen doch alle auf Wahrheit. Ein Hetzsender war es bestimmt nicht, den er gehört hat, allenfalls einer vom neutralen Ausland. Aber da wird wohl kein Unterschied gemacht: auf das Abhören ausländischer Sender steht Zuchthaus - oder Todesstrafe. Wie schwach, um nicht zu sagen wie schuldbewußt, muß sich ein Staat fühlen, der so etwas nicht vertragen kann!
Der Wagen hielt vor dem schönen Gebäude der Gestapo , dem früheren Hotel Silber. Ich mußte mit dem Beamten zum vierten Stockwerk hinaufgehen, in sein Zimmer. An einem zweiten Schreibtisch, ihm gegenüber, saß noch ein anderer Herr, der offenbar mit meiner Sache nichts zu tun hatte, denn er sah kaum von seiner Schreibarbeit auf, während ich mich auf den mir angebotenen Stuhl setzte. Es begann noch einmal fast das gleiche Verhör wie in Magstadt . Demzufolge mit dem gleichen Ergebnis.
,, Dann stehen Sie eben im Verdacht, selbst ausländische Rundfunkmeldungen zu hören", sagte der Beamte, stand ruckartig auf, zog wieder seinen
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