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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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der Erniedrigung des Menschen, die nie so groß war wie in Nazideutschland. Viele Deutsche haben wohl auch den Druck und die Ungerechtigkeiten gespürt, leider aber nur wenige das Menschenunwürdige unserer Lage im Dritten Reich. Wer empfand so sehr wie Du und ich die Entwürdigung und Beleidigung, die uns zugefügt wurde, wer hat je so vor Empörung innerlich gebebt, wenn die Nazihäuptlinge immer neue Attentate gegen die Menschlichkeit begingen, die alle Begriffe von Recht, Anstand und Gesittung verwirrten, und die sie durch eine teuflische Propaganda dem Volk stilgerecht machten?! Wer hat so sehr die Schmach und Entrechtung unserer Knechtschaft empfunden wie wir wenigen in Deutschland , die bisweilen fast erstickten im Gifthauch der Naziideologie, in der Kloake dieses entarteten Denkens und Handelns; die wir nur noch von der einen Hoffnung am Leben erhalten wurden, daß dieses Reich des Anti­christ, diese Herrschaft einer dämonisch besessenen Verbrecherhorde eines Tages zusammenbrechen werde. Ja, wir beide und dazu die Besten unseres Volkes, taten das, was ungeheuerlich in der Weltgeschichte erscheint, und was doch in diesem Fall natürlich und folgerichtig ist: wir beteten für den Sieg der ,, Feinde", der die Herrschaft, des Teufels durch die Herrschaft des Menschen ablösen möge. Denn dieser Krieg war kein Krieg von Nationen untereinander, sondern ein Attentat des Untermenschen gegen den Menschen, der noch etwas auf sich hält, dem Anständigkeit, Sauberkeit und Persönlichkeitswerte noch etwas bedeuten, der nicht leben und atmen kann in einer geistigen Wüste. Ich habe in diesem Brief all das aufzuzeigen versucht, was zu den persön­lichen, tiefen Bindungen zwischen uns führte, die wiederum die Ursache für das Gelingen des Buches waren. Ich werde im Geist noch oft die Stunden durch­leben, aus denen sich Freundschaft und Buch formten, und neu in glühenden Farben und Formen werden die Bilder vor mir erstehen, die wir dabei ent­worfen haben. Ich reise dann wieder mit Dir über Länder und Meere, durch Urwald und Wüste, durch Paradies und Hölle, auf den Spuren der Abenteurer und Entdecker, auf den Pfaden der Freundschaft und Liebe, ich bin bei Dir im Zauber der Lianenwildnis, auf dem Eiland der Seligen, im Märchenland der Naturmenschen, auf den Inseln der Liebe, in den Schrecken der Wildnis, in den Qualdelirien des Durstes, in den Sonnenhitzeparoxismen des Roten Meeres , in der grauenhaften Hölle der Konzentrationslager des Dritten Reiches .

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