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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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aber nicht mehr viele Tage sein. Nicht mehr so viel, wie wir an den Fingern abzählen können, sonst sind wir alle an Hunger oder an der Seuche ein- gegangen.

Neben mir röchelt einer wie im Todeskampf. Ich stoße ihn an, kann mich nicht nach links und nicht nach rechts bewegen, so eingezwängt bin ich, schlafe ein. Der Traum ist wieder da. Dunkelheit zieht vor. Unwetter birst aus dem schwefeligen Himmel. Der Spuk wird lebendig. Tumult in den Wolken. Ein grausiges Welttheater tut sich auf. Die höllischen Mächte toben gegenein- ander, das wildbewegte Verhängnis nähert sich dem Lager. In der Tiefe der unheimlichen Schau das Bild eines Sonnensystems, dessen Sternenapparatur durch eine Katastrophe im All in Chaos und Unordnung geraten ist. Die in- fernalischen Geister fallen über uns her. Ein riesiger Satan schwingt herbei,

selber, er hat Himmelskörper aus dem Universum gerissen und wirft sie auf uns hernieder. Ein Weltuntergangsgetöse erschallt, das aber noch tönt wird vom Höllengelächter des Satans.

Ich schrecke auf. Sirenen heulen. Flugzeuge in Massen über uns. Kanonen- donner. Einschläge von Granaten. Kommen sie jetzt, die Befreier, die Engel, die Amerikaner? Sie sind unsere einzige Hoffnung.

Ich halte es nicht mehr aus, erhebe mich, klettere über die Menschenknäuel hinweg, trete ins Freie. Draußen treffe ich Erich Hubmann. Er kommt mir irgendwie verändert vor, er hat einen fremden, harten Zug im Gesicht, den ich sonst nicht an ihm kannte.Wie siehst du aus, Erich? frage ich.Was gibts Neues? Wo stehen die Amerikaner?

Er zuckte die Achseln.Wie soll ich das wissen? Wir müßten eben Ver- bindung mit ihnen suchen.

Und im Lager?

Der Maransanio und der Wernicke sind abgesetzt. Oskar Müller ist zum Lagerältesten ernannt worden.

Diese Nachricht gab uns allen neue Hoffnung und neuen Lebensmut. Maran- sanio und Wernicke, zwei Häftlinge, von der SS zu Bluthunden und willigen Werkzeugen erzogen, hatten schlimmer gewütet als viele der schlimmsten SS- Büttel. Sie mißhandelten und drangsalierten die Häftlinge aufs Blut.Unser Weg geht mit der SS , betonten sie immer wieder und sie hatten sich mit einigen hundert Mann unserer Peiniger verschworen, im Ernstfall die Führung

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