,, Einmal sah ich mit eigenen Augen zu, wie ein SS- Mann einen Häftling in den Geröllbrei stieß, der durch die Betonmischmaschine entstand. Die Masse war dauernd in Bewegung und wuchs durch das ständig neu hinzukommende Gemisch. Der Mann zappelte und kämpfte in dem Brei, versuchte sich wieder herauszuretten. Wir durften ihm nicht helfen, keinen Stock oder Strick hinhalten, an dem er sich hätte ans rettende Ufer ziehen können. Wie in einem Sumpf sank er immer tiefer ein, in wilder Panik um sich schlagend, schreiend und heulend. Aber das Schreien und Heulen hörte bald auf. Er brauchte seine ganze Kraft, um mit dem furchtbaren Element zu kämpfen, das ihn immer mehr schluckte. Es half ihm alles nichts, er sank tiefer und tiefer, bald verschwand das letzte Kopfhaar im Brei. In dem Bau, der hier entstand, ist ein Mensch einbetoniert."
Erich berichtete:" Wie oft kam es vor, daß ein SS- Mann aus schlechter Laune oder gar, weil er Urlaub haben wollte( für jede Meldung einer Tötung wegen Widerstands des Häftlings oder sonst aus einem Grunde gab es Urlaub!) auf geradezu teuflische Art einen Unglücklichen ums Leben brachte. Er riẞ dem Häftling die Mütze vom Kopf, warf sie auf den Grasplatz und befahl ihm, sie wieder zu holen. Weigerte sich der Häftling, so wurde er wegen Nichterfüllung eines gegebenen Befehls erschossen, betrat er den verbotenen Rasen, so legte ihn eine Salve des MG- Schützen auf dem Turm um. Eine Möglichkeit, sein Leben zu retten, bestand also nicht."
Der unverhüllte Mord griff um sich. Die Mordbanditen tobten ihren Blutrausch aus. Sie waren vom Koller, vom Blutwahn befallen, hausten irrsinnig, feierten Orgien der Perversität und Grausamkeit. Pfarrer wurden gekreuzigt, andere mit dem Kopf nach unten aufgehängt, Tausende von Menschen zu Tode gemartert und geprügelt, mit siedheißem Wasser verbrüht.
,, Ich war einmal mit sechzig Häftlingen zu fünfundzwanzig Stockschlägen verurteilt", sagte einer der Kameraden.„ Die Vergehen der einzelnen waren eine Zeitlang notiert worden und dann wurde einmal Generalabrechnung" gehalten. Einer nach dem andern mußte sich mit entblößtem Hintern über den Bock legen und wurde dort blutig und in Fetzen gehauen. Die andern mußten solange Kniebeugen machen. Der Arzt und ein Sanitäter waren während der Exekution zugegen, tauchten große Pinsel in einen Eimer und schrubbten mit der ätzenden Flüssigkeit über die zerschlagenen Gesäße. Sofort
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