Die Schurken hatten mich sicher auch bei ihren Vertrauensleuten in der Lebensmittelverwaltung Dachau angegeben. Ich mußte mich bei dem dicken Eichhölzer, dem Kompagnon von Strauß, melden. Er redete kurz und barsch mit mir und gab mir den Befehl, mich unverzüglich zur Arbeit in die Küche zu begeben.
Ich war also degradiert, mußte wieder als Kolonnenführer der Kesselarbeiter tätig sein. Zum Glück kannte ich den Küchenkapo Schwab von Dachau gut. Er sorgte schon dafür, daß ich nicht zu kurz kam und zog mich als Hilfskraft zu seiner eigenen Arbeit heran. Dachau war ein großes Lager und hatte deshalb auch eine große Küche. Es arbeiteten mehrere hundert Mann darin. Die Dampfkessel faßten alle mindestens tausend Liter. Die Menge des Essens, die wir herstellen mußten, war sehr verschieden. Die Zugänge nahmen in ungeheurem Maße zu. Aber auch die Abgänge waren anormal hoch.
Die deutschen Heere, Tausende von Kilometern zurückgeworfen, setzten ihren Rückzug über die deutschen Grenzen fort. Der Zusammenbruch der Fronten war bereits vollzogen. Verwaltung und Transportwesen waren in Unordung geraten. Aus den aufgegebenen Gebieten wurden auch die politischen Gefangenen und die Schutzhäftlinge aus anderen Lagern zurückgebracht. Alles sammelte sich in dem großen Zentrum Dachau . Das Lager war überfüllt; die herzuströmenden Häftlinge ordnungsgemäß unterzubringen, war nicht möglich. An allen Ecken und Enden fehlte es. Nichts klappte mehr. Die Verpflegung wurde schwierig. An manchen Tagen mußten wir die Rationen auf die Hälfte herabsetzen. Da hieß es zum Beispiel kurz und bündig: Soeben zweitausend Mann Zugang. Entsprechend mehr kochen. Das Mittagessen aber war bereits fertig. Wir konnten uns nicht anders helfen, als noch ein
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