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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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war ein kleiner Proviantraum, dabei ein kleines Zimmer, in dem der Küchen­kapo schlief und seine schriftlichen Arbeiten erledigte. In einem weiteren Nebengelaẞ stand ein Kühlschrank und ein großer Tisch für unseren, Por­tionenschneider", den Katschmarek. Der war den ganzen Tag damit beschäf­tigt, Fleisch und Wurst zu schneiden und die Portionen einzuteilen, vor allem für die SS.

Das ganze Jahr hindurch wurde fast nichts anderes zu Mittag gekocht als Steckrüben oder Kraut mit Kartoffeln. Zur Abwechslung auch mal gelbe Rüben. Oder zur Spinatzeit Spinat.

Donnerstags und sonntags waren die sogenannten Fleischtage. Von der Dachauer Lebensmittelverwaltung erhielten wir Speisekarten", auf denen vermerkt war, welche Mengen an Kartoffeln, Gemüse, Fett, Mehl, Fleisch und Brot den Häftlingen zustehe. Wenn die Häftlinge das, was auf dem Papier stand, wirklich erhalten hätten, dann wäre es nicht mal so schlimm gewesen, und es wären gewiß nicht so viele an Hunger und Unterernährung eingegangen. Aber bis die Lebensmittel zu dem kamen, der sie erhalten sollte, waren die Mengen schon bös zusammengeschrumpft. Eine ganze Reihe von Personen wollten an der Verköstigung der Ärmsten der Armen noch profitieren, ver­dienen, mitessen; angefangen vom Lieferanten, der sicher Schiebungen machte und minderwertige Ware lieferte über die großen SS- Bonzen zu den kleinen Bonzen. Was sah ich nicht allein an Schmarotzertum in meiner Umgebung unter den begehrlichen und gefräßigen SS- Leuten, die ständige Besucher unserer Küche waren! Ihnen gegenüber war man auch als Kapo nur Häftling und damit machtlos. Ingrimmig mußte man zusehen, wenn sie sich die fettesten Bissen holten, den ausgehungerten Häftlingen vom Munde wegstahlen. Sagen durfte man nichts, denn dann hatte man seinen Vorzugsposten die längste Zeit gehabt, und man konnte vielleicht in Mauthausen oder einem anderen be­rüchtigten Lager mit den übrigen Häftlingen am Hungertuch nagen.

Das Fleisch an den Feiertagen wurde in den Pfannen mit Margarine geröstet und mit Zwiebel und Paprika gut schmackhaft gemacht. Dies Gulasch, fein in Würfeln geschnitten, hätte den Häftlingen sicher gemundet, wenn man es ihnen so vorgesetzt hätte. Aber wenn das Gulaschfleisch dann in den Dreihundert­Liter- Kessel hineinkam, dann mußte man lange fischen, um ein Bröckelchen zu

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