,, Wer schon als Koch gearbeitet hat", rief der Kommandoführer wütend. Flugs war ich als erster wieder zur Stelle. Andere folgten zögernd und stellten sich neben mich. Ich trat kühn unmittelbar vor den Küchenkapo B. Wolf hin, der neben dem Kommandoführer stand. Mit seiner Riesenpratze faßte er mich am Arm und zerrte mich hinter sich. Dann wählte er noch fünf, sechs Mann von den immerhin wieder zwei Dutzend Angetretenen aus und überraschend schnell gab sich der Kommandoführer damit zufrieden, ohne noch viel nach Beruf und Eignung zu fragen. Ich hatte es geschafft und sah der Weiterentwicklung zuversichtlich entgegen.
Ich sollte in meinen hochgespannten Erwartungen nicht enttäuscht werden. Zunächst hatte ich es mit dem Küchenkapo gut getroffen. Ein gutmütiger Mensch, klein, dick und kugelig. Er trug den grünen Winkel. In seinem„ Zivilberuf" war er Schmuggler. Wolf war übrigens einer der wenigen grünen Küchenkapos. Sonst nahm die Dachauer Lebensmittelverwaltung für solche Posten meist rote Häftlinge. Auch bezeichnend: die politischen Häftlinge, die in den Lagern die charakterlich einwandfreien waren, wurden von Berufsverbrechern und asozialen Elementen überwacht und bevormundet, ihrer Willkür und Roheit ausgeliefert, andererseits aber zog man sie zu den verantwortungsvollen Arbeiten heran und besetzte mit ihnen die Vertrauensposten. Man ging natürlich davon aus, daß in der Küche und im Lebensmittellager viel gestohlen und geschoben würde und rechnete dann, daß man mit den Roten besser fahren werde als mit den Grünen.
Nun war ich ja kein gelernter Koch, aber ich hatte doch Kenntnisse im Kochen, und das, was ich dort brauchte, hätte ich auch ohne jegliche Kochkenntnisse bald bewerkstelligen können. Wenn ich daran dachte, was ich da als Koch auf der Jacht Moana" des M. Leeds geleistet hatte, was das Kochen und das Essen anbetrifft! Na, ich verkniff mir, daran zu denken...
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Die Arbeit war, wie sich denken läßt, auch hier sehr schwer und anstrengend, dazu eine unendlich lange Arbeitszeit. Ans Kochen kam ich anfangs überhaupt nicht. Ich mußte Küchenjunge machen, scheuern und putzen, Kessel reinigen. Allenfalls frühmorgens Kaffee kochen.
Da hieß es früh aufstehen. Morgens drei Uhr war Tagwacht. Bald darauf stand ich an den großen Dreihundert- Liter- Kesseln und kochte Kaffee. Der wurde in die großen schweren Kannen eingegossen und auf die verschiedenen
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