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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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Am Sonntagnachmittag nach vier Uhr endlich alles in Ordnung. Die meisten saßen untätig herum, unterhielten sich, manche streckten sich auf der Bank, andere dösten in den Ecken. Wieder andere gaben sich mit Eifer der Tabak- fabrikation hin, wandeltenKippen in Tabak um, hatten von irgendwoher Tabakersatz beschafft: Blätter oder Tee. Es wurde hier emsig und mit einem fast feierlichen Ernst gearbeitet.

Eine kostbare Sache, meinte einer.

Ja, kostbar und teuer.

Und man erzählte Geschichten, wie teuer man den leidenschaftlich begehrten Stoff schon bezahlt hatte.

Der Müller Karl ist ein Muselmann dadurch geworden.

Na, das war aber auch ein starkes Stück von ihm. Läßt sich während der Arbeit beim Rauchen erwischen. Da kriegte er drei Monate Strafkompanie aufgebrummt. Dort wurde er fertiggemacht. Jetzt hilft er im Revier, die Toten zum Krematorium zu fahren. Bald wird er selber durch den Schornstein ab-

ziehen.

Da ist der Braunwald Oskar eigentlich billiger ins Jenseits gekommen. Vor dem Stacheldraht warf ein SS-Mann eine große Kippe weg. Im Vorbeigehen bückte sich Oskar und langte über den Sperrmeter durch den Stacheldraht nach dem Stummel. Schon schoß die Turmwache auf ihn, und er rauchte keine Zigarette mehr, er rauchte kurz drauf selber im Krematorium.

Mich hat eine Zigarette mal fünfundzwanzig auf den Arsch gekostet, be- richtete einer. Wie ich bei der SS putzen mußte, lag da eine hinter einem Kasten. Ich steckte sie zu mir. Kurz darauf kam der Zill herein, guckte hinter den Kasten.Aha, sagte er höhnisch und grinste, der Satan.Taschen um- drehen! Er hatte natürlich die Zigarette absichtlich hingelegt, um mich dran- zukriegen.

Auf sonen faulen Zauber fällt man auch nicht rein, sagte ein Kamerad. Das muß man geschickt und vorsichtig machen.

Und sie unterhielten sich halblaut in ihrer rauhen und derben Ausdrucks- weise und mit einem gewissen düsteren Galgenhumor über die Möglichkeiten,

zu. Tabak zu kommen. Da schreckte uns ein lauter Befehl aus unserer friedlichen Stunde auf: Raustreten!

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