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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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haften Abortanlagen. Die Aborte wurden oft von sechs, acht Männern zugleich belagert. Vor dem Abort im Steinbruch wurde ein Häftling aufgestellt, der den ganzen Tag nichts zu tun hatte, als den Stuhlgang zu regulieren". Er mußte aufpassen, daß keiner länger als zwei, drei Minuten auf dem Abort verweilte. Der Abort war eine primitive Anlage: eine Bretterwand, eine tiefe Grube und darüber ein Balken. Es gehörte Geschick dazu, diese Vorrichtung zu benützen. Es kam von Zeit zu Zeit tatsächlich vor, daß Häftlinge hinüber und hinunter in die Grube fielen.

Vor dem Abort standen die Männer Schlange. Männer, die Ruhr und Durch­fall hatten. Viele konnten nicht mehr warten und an sich halten, machten die Hosen voll. Wo sollten sie sich reinigen? Woher eine zweite Hose zum wech­seln nehmen?

Während des ganzen Winters litt ich ebenfalls an Ruhr. Ich konnte manch­mal nicht weiter, so schwach und elend fühlte ich mich. Aber nur nicht ins Revier! Ich weiß heute nicht, wie ich die Energie aufbrachte, mich selbst zu kurieren. Unter diesen Verhältnissen eine Roẞkur: ich fastete zwei Tage völlig, und trank nichts. Und anschließend nochmal zwei Tage lebte ich ausschließ­lich von geröstetem Brot und Holzkohle. Ich war danach so matt, daß ich nicht aufstehen konnte und erhielt drei Tage Schonung. Aber von dem Durchfall war ich mehrere Wochen geheilt. Unserem Stubendienst Walter Eichhorn vom Block sechs, unserem Blockschreiber Gieselmann und dem Blockältesten vom Block vierzehn, F. Wessel, habe ich für ihren Beistand in den kritischen Tagen viel zu verdanken. Sie halfen mir mit Essen und Zuwendungen wieder auf die Beine.

Später wurde ich nocheinmal krank. Es sah wie eine drohende Lungen­entzündung aus. Der Revierkapo kam und sah mich an. Wenn es morgen nicht besser ist, kommt er ins Revier", entschied er.

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Ich nahm alle Kräfte zusammen, sagte am andern Morgen, ich fühle mich besser. Da durfte ich als leichtkrank in meiner Falle liegen bleiben. Fünf Tage Leichtkrankenbehandlung, bei Besserung des Befindens fünf Tage innerer

Dienst.

Danach kümmerte sich niemand von Revier und Krankenabteilung mehr um mich. Ich lag tagelang fast bewußtlos, fiebernd, elendsmüde. Dann hatte ich wieder gute Stunden, die mir Lebensmut zurückgaben. Das Fieber wich,

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