vierzehn mit vierhundertfünfzig Mann zum Morgenappell angetreten!" Dann zählte der Rapportführer die Blöcke durch. Wenn der Lagerführer erschien, meldete ihm der Rapportführer die gesamte Stärke des Lagers. Klappte alles, so nahmen die streng militärischen Vorgänge ein schnelles Ende und wir konnten an die Arbeitsplätze marschieren.
Ich war den Arbeiten im Steinbruch zugeteilt worden. Da hieß es von früh bis spät die Loren einfüllen und schieben. Die Steine wurden vor allem beim Straßenbau gebraucht, bei dem in der Nähe ein anderer Großteil der Häftlinge beschäftigt war. Wieder andere arbeiteten an der Roll- Leitung. Das Lager Flossenbürg war noch ziemlich im Rohbau; es gab also viel zu tun. Tagaus, tagein lud ich die schweren Steine auf, fuhr mit den Loren hin und her. Manchmal schob ich auch die Walzen auf der Roll- Leitung. Es war ein umfangreicher Betrieb. Lärm und Gehaste. Maschinen und Fahrzeuge aller Art. Oft wurden wir auch nach Feierabend wieder herausgerufen, um noch diese und jene Arbeiten zu verrichten. Der Lärm der Arbeit und das Getöse der Maschinen wurde bisweilen übertönt durch das Geschrei des Aufsichtspersonals, Fluchen und Schimpfen, wildes Antreiben. Die Leute schafften unter der Knute, wurden geschlagen und getreten und mußten sich dabei aufrechthalten und den Schmerz verbeißen. Denn wenn einer zusammenbrach, wurde er so lange geprügelt, bis er wieder zu sich kam und weitertaumelte.
Eine Sklaverei wie in alten Zeiten. Wehe dem, der unangenehm auffiel oder der das Miẞfallen eines SS- Mannes erregt hatte! Er wurde barbarisch geprügelt und miẞhandelt. Täglich gab es Opfer der schrecklichen Strapazen, Mißhandlungen und Entbehrungen, die wir zu erdulden hatten. Kranke, Verletzte, Tote.
Über die schöne Jahreszeit war es noch erträglich. Im Winter aber... uns schauderte, wenn wir nur darandachten. Kameraden erzählten von entsetzlichen Leiden, die sie in manchem Winter durchgemacht hatten.
Die Tage dehnten sich zu Wochen und Monaten. Der Herbst verging. Es wurde November. Er brachte bereits kalte Tage.
Der erste Schnee fiel. Nebel hüllten das Land ein. Ich fühlte mich nicht wohl, fröstelte auf dem Heimweg, dachte daran, abends eine Stunde für mich zu haben und dann eine ungestörte Nacht.
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