das Naturgesetz zu überwinden, das nach den gewöhnlichen Erfahrungen des Lebens, ein Mindestmaß an Nahrung, Kleidung, Wohnung und Schlaf erfordert.
Ich wurde in ein Zimmer der politischen Abteilung befohlen. Unwillkürlich stand ich stramm, Hand und Mütze an der Hosennaht. Hinter dem Schreibtisch ein Beamter in SS- Uniform. Ein Schreibfräulein, das den Eindruck machte, als sei es ebensowenig an den Vorgängen um sich her interessiert wie ihre Schreibmaschine. Auf dem Schreibtisch erblickte ich auch einen Schlauch und eine kurze Peitsche. Was taten die in einem Büro? Sie konnten ja nur einen Zweck haben... Im Hintergrund standen ohne ersichtlichen Grund und erkennbare Tätigkeit zwei, drei SS - Männer herum. Der Beamte kläffte mich an: ,, Name? Wo geboren? Wohnort? Und so weiter." Ich gab Auskunft.
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,, Und so weiter habe ich gefragt", brüllte der Mann unvermittelt. ,, Soll ich dir die Zähne auseinandermachen, du verstockter Köter?! Weißt du nicht selbst, welche Angaben du bei Personalerhebungen machen mußt, he? Was hast du in den fünfzehn Jahren im Ausland getrieben? Alle Kaffernsprachen gelernt, nur nicht Deutsch ! Wart, wir reden jetzt deutsch mit dir, und wehe dir, wenn du es nicht verstehst!"
Einer seiner Kameraden hatte sich, von mir unbemerkt, hinter mich gestellt und trat mich plötzlich mit aller Wucht gegen den Knöchel meines Fußes, so daß ich laut aufschrie vor Schmerz. Was hast du im Ausland getrieben?" fragte er mich mit einer verhaltenen, wie aus einem Versteck kommenden Stimme. ,, Gehetzt gegen den Führer und gegen das deutsche Volk hast du."
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Er trat mir schwer auf die Zehen und brachte seinen Kopf ganz nahe an mein Gesicht, blickte mir von unten herauf lauernd und drohend in die Augen. Seine ganze Haltung war eine tückische und hinterhältige. Er hatte die Hände in die Taschen gesteckt, rempelte mich mit dem Ellenbogen an und quetschte bei jedem Stoß ein paar Worte hervor:" He, du Kanaille. Gibst Antwort. Was sollen wir mit dir anfangen?"- Er sprach immer leiser. Es war fast still im Zimmer, unheimlich still. Die andern sahen untätig herüber. Das Schreibmaschinenfräulein glotzte ausdruckslos, als denke sie an ganz was anderes. Ja, wirklich, jetzt zog sie einen Spiegel und ein Döschen hervor und machte sich an ihrer Frisur zu schaffen.
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