reichlich aus. Die reichen Leute gaben ihr Geld aus in den großen Gaststätten und Bars, nahmen Fremdenführer und ließen sich die Sehenswürdigkeiten der Insel zeigen, Original tahitische Tänze und Original- Palmenwald, alles gegen gute Dollars, tranken französischen Champagner auf Terrassen unter Palmen, arrangierten Kostümfeste in tahitianischen Parees, Illuminationen am Strand. Ich machte auch mal einen Abstecher nach der Nachbarinsel Morea mit, die wie eine Hand mit zum Schwur erhobenen Fingern gen Himmel ragt. Solch eigentümliche Formen haben die Felsen und Berge auf der Insel gebildet.
Das Leben auf den Nachbarinseln ist noch ursprünglicher als auf Tahiti . Der Strom des Fremdenverkehrs ist noch nicht so darüber hingegangen. Am Strand zwischen den Palmen stehen die Eingeborenenhütten, so wie sie vor alter Zeit errichtet worden sind, primitiv hergestellt. Mister Leeds ließ dort den Eingeborenen einen Film vorführen:„ Meuterei auf der Bounty", der in Tahiti aufgenommen worden ist. Die einheimischen Betrachter gerieten außer Rand und Band vor Entzücken, namentlich dann, wenn sie ihre eigenen Leute auf der Leinwand sahen und Ausdrücke in ihrer Sprache hörten.
Die Moana fuhr nach zwei Monaten weiter, ohne mich. Ich blieb da, vertauschte das Schlaraffenland mit dem Paradies.
Später traf ich bisweilen auf der Insel, meist in abgelegenen Gegenden, den Eigenbrötler Dr. Cavan, der es ebenfalls vorgezogen hatte, hierzubleiben. Er hatte einen unbewohnten Bungalow weitab vom menschlichen Getriebe erworben und hauste dort, nur von einem tahitianischen Diener betreut. Der Doktor hatte den erkrankten Mann geheilt, und der Gesundete schien dann glücklich zu sein, dem verehrten Wundermann folgen zu dürfen. Cavan betrieb wohl allerlei Forschungen für sein botanisches und medizinisches Wissen. Es konnte natürlich auch nicht ausbleiben, daß er als Arzt viel in Anspruch genommen wurde. Sein einsam gelegener Bungalow war bald zum Wallfahrtsort geworden und die Eingeborenen lagen oft geduldig tagelang vor seinem Haus, da Cavan manchmal für längere Zeit einfach verschwand und nicht aufzuspüren war.
Ich lebte als Glücklicher mit den Glücklichen auf dieser Insel. Es ging mir auch nicht wie so vielen Europäern, die zuerst entzückt sind von der Schönheit dieses Idylls im Großen Ozean, dann aber zurück wollen in ihre gewohnte
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