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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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,, Meine Sachen holen...?" Eine düstere Ahnung befiel mich.

Ja, er war mehrmals da und holte jedesmal etwas ab. Beim drittenmal schöpfte ich Verdacht. Ich verweigerte ihm die Herausgabe weiterer Sachen von Ihnen und wollte wissen, wo Sie sich aufhielten und was überhaupt mit Ihnen los sei. Ich setzte ihm ziemlich heftig zu und verdächtigte ihn dann ganz offen, daß er ein unehrliches Spiel treibe. Ich wollte mit ihm zur Polizei gehen. Da kniff er aber sofort, murmelte etwas von Wiederkommen und ver­schwand auf Nimmerwiedersehen. Heute früh nun, als ich bei der Polizei Nachforschungen anstellen wollte, kam ein Herr und erzählte mir von Ihrem Mißgeschick. Ich eilte sofort her, bezahlte die verlangte Carzia und kaufte

Sie los."

Der schnöde Undank eines Mannes, dem ich so viel Gutes getan hatte, kränkte mich sehr. Mein gutmütiges Vertrauen zu den Menschen hat von da ab einen starken Stoß erlitten.

In meinem Zimmer mußte ich dann feststellen, daß der Schuft mir meine besten Wäschestücke und andere wertvolle Sachen entwendet hatte. Ich stand ganz blank da. Meine Wirtin hatte ich glücklicherweise noch für einige Wochen vorausbezahlt; sie stellte keine Ansprüche mehr an mich, sie half mir im Gegenteil nach Kräften. Ich hatte ihr auch ein Kästchen mit Wertsachen über­geben. Davon verkaufte ich etwas und so hatte ich fürs erste wieder Geld. Unseren Dritten im Bunde, den schwedischen Seemann, holte ich am näch­sten Tage durch den schwedischen Konsul aus dem wüsten Gefängnis.

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