Abenteurer, Gestrandete des Lebens, aus der Art Geschlagene, Glücksritter, aber auch Gott- Menschen und Lebenssucher. Hier hätte ein Forscher oder Schriftsteller Gelegenheit, die interessantesten Lebensläufe und Typen kennenzulernen und zu studieren.
Der Kapitän gab mir am anderen Tage eine Empfehlung an eine holländische Pension. Dort fand ich ein nettes, gemütliches Unterkommen. Ich nahm gleich ein Bad im Haus, das mir allerdings nicht nur die gewünschte Erfrischung, sondern auch einen ungeahnten Kummer bereitete. Ich war eben in die Wanne gestiegen, da machte ich eine Entdeckung, die mich mit einem Sprung wieder aus dem Bad hinausjagte. Ein Viech, ein Irgendetwas, wie zwei Fäuste groß, eine Art Tausendfüßler , hatte mich in Panik versetzt. Das ekelhafte Biest bewegte sich schnell vorwärts; es flößte einem Angst und Abscheu ein. Die Pensionsinhaberin verbrannte später das Tier, eine Lacrallie, die in dieser Gegend häufig vorkommt. Durch böse Stiche kann der riesige Tausendfuß sogar gefährlich werden.
Ich sah mir daraufhin die Sammlungen im Museum des Don Pietro an, das sämtliche Tierarten Brasiliens zeigt, von den kleinen Insekten und den häßlichen Vogelspinnen, die in manchen Arten ungeheuer groß werden, giftig, gefährlich, ja grauenerregend und unheimlich sind bis zu den Riesenschlangen. Eine eindrucksvolle Schau von Tieren, die uns meist unbekannt sind, und die uns einen Einblick in eine grandiose, buntbewegte Welt gibt.
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In diesem Museum befindet sich auch eine umfangreiche Steinsammlung: Diamanten, Halbedelsteine und sonstiges Gestein. Da wurde auch in mir der alte Traum vieler Menschen wach: den Sprung ins Abenteuer zu tun, die gefährlichen und strapazenreichen Pfade der Gold- und Diamantensucher zu gehen.
Ich fand bald eine Anstellung in der deutschen Rio- Zeitung, und zwar durch den Herausgeber einer anderen Zeitung, der A Noite, Herbert Moses. Durch eine Empfehlung war es mir gelungen, zu diesem Zeitungsgewaltigen vorzudringen. Er nahm mich sehr freundlich auf, ich gab ihm einen kleinen Bericht von meinen Erlebnissen in Nazideutschland. Wahrscheinlich gewann ich durch meine Einstellung gegen die Nazis sein besonderes Wohlwollen. Er tat in der Folgezeit sehr viel für mich. Sein Telephonanruf genügte, daß mich Herr Wendt, der Herausgeber der deutschen Zeitung, bereitwillig in seinem Betrieb einstellte. Ich hatte dort einen interessanten und gutbezahlten Posten inne.
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