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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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In dieser Tonart ging es fort. Die Wackeren krakeelten und soffen, und sie trieften von Redensarten und Aussprüchen, die nichts als eine gemeine und brutale Art verrieten. Und dabei waren hier nicht nur Männer aus den unteren Ständen versammelt, sondern auch solche, die sich zu den Gebildeten rech­neten, Beamte, Lehrer, Kaufleute, Akademiker. Sie waren alle vom gleichen Ungeist beseelt und geleitet vom gleichen niedrigen Instinkt, von ihrer schnöden Denkweise, so daß sie sich nicht mal mehr im Ausdruck voneinander unter­schieden. Sie waren sich einig in dem brutalen Willen, die Schwächeren zu unterdrücken, Raubkriege zu führen, auf Kosten anderer sich zu bereichern und sich ein angenehmes Leben zu machen.

Schließlich wurde es mir zu dumm. Ich konnte mich nicht mehr beherrschen und äußerte empört, daß man mit so pöbelhaften Manieren, mit Unverstand und Gemeinheit gewiß keine Welt erobern werde. Sofort hatte ich die ganze Meute wider mich.

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,, Ihr müßt euch Dümmere für euren politischen Unsinn heraussuchen als mich", rief ich, in Zorn geratend. Wenn ihr so weitermacht in Deutschland , werdet ihr bald euren Krieg bekommen, ihn aber auch verlieren. Verlaẞt euch darauf. Lernt erst mal die Welt und andere Völker kennen, ehe ihr sie ver­teilt. Das würde eure dumpfen Gehirne vielleicht ein wenig auslüften!"

Ein wildes Durcheinander entstand. ,, Kanaille! Volksverräter!" Mit solchen und ähnlichen Ausdrücken fiel man über mich her. Judenknecht! Aufhängen sollte man solche Kerle, die ihr Deutschtum verraten!" Ich wehrte mich meiner Haut, ein paar gingen tätlich gegen mich vor, beschimpften und bedrohten. mich. Mit Müh und Not rettete ich mich zum Ausgang hinaus.

In der Nacht wurde ich verhaftet und ins Untersuchungsgefängnis nach Zeitz gebracht.

Das war meine erste Bekanntschaft mit dem neuen Deutschland ", das mir einen so freundlichen Empfang bereitete. Fremd war mir alles hier geworden, fremd und unausstehlich. Was hatte man aus dem Deutschland der Kultur und des Geistes gemacht! Ich kannte es nicht wieder. In meiner dunklen Zelle hatte ich Zeit, über Deutschlands tiefe Erniedrigung zu trauern. Düster lag die Zukunft vor dem deutschen Volk. Der Führer" und seine Helfershelfer würden das Volk in eine Katastrophe hineinführen. Eine solche Herrschaft mußte ein Ende mit Schrecken nehmen.

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