Wie faul sie sind, kann man an oft komischen Szenen beobachten. So hat sich eine Gruppe Araber dazu bequemt, eine Arbeit anzunehmen. Sie müssen ein versetzbares Schiffsgerüst ein Stück weiter transportieren. Ich weiß, vier bis fünf Mann können die Arbeit unschwer bewältigen. Hier packen etwa ein Dutzend Araber zu, machen ein Riesengeschrei, ziehen und keuchen, als gälte es ihr Leben. Sie markieren übermenschliche Anstrengungen, inmitten steht der Vorarbeiter wie ein alter Seeräuberkapitän und dirigiert mit dramatischem Pathos und schauspielerischer Mimik, gibt unartikulierte Laute von sich: ,, ah hup" oder so. Die Männer ziehen gewaltmäßig, schneiden Grimassen, als müßten sie sich die Lungen zum Hals hinausquälen. Ich durchschaue lächelnd die Komödie und habe mit den Ärmsten keinerlei Mitleid; sie überanstrengen sich gewiß nicht.
Den Lebensunterhalt verdienen sich die Araber am liebsten mit Tauschhandel. Ich komme gerade dazu, wie ein solcher Handel abgeschlossen wird. Einer unserer Leute, der sich von den achthundert Tonnen heimlich einen Sack Mehl beiseitegeschafft hatte, bietet ihn zum Tausch gegen Ananas an. Der große, würdig einherschreitende Araber geht in vornehmer Zurückhaltung auf das Angebot ein. Die beiden werden nach einigem Feilschen handelseins.
,, Aber worin willst du denn das Mehl nehmen?" fragte unser Kamerad ,,, ich brauche meinen Sack für die Ananas". Wortlos griff der Araber zum schönsten Ornament seiner Würde, dem Turban eine rasche Handbewegung, und die hohe Kopfbedeckung entfaltet sich zu einem Sack, in den nun profanerweise das Mehl hineingefüllt wird.
Nach kurzem Zwischenaufenthalt fuhren wir von Perra Perim unsere vorgeschriebene Route weiter, nochmals vier Tage durch das Rote Meer , nochmals die Schrecken dieser heißen Hölle auskostend. Nicht eine Stunde ließen diese Schrecken nach. Gibt es in dieser verwünschten Passage niemals eine Atempause? Ein Leben ohne Gnade, ein Sonnentod ohne Ende...
Endlich sind wir erlöst. Eine frische Brise weht über das Meer, wir atmen freier und beglückt, die Qual und Pein ist überstanden. Nun scheint die Sonne wieder heiter und belebend, sie ist wieder wie wir selber ein Teil der Schöpfung, sie ist kein Feind mehr.
Ungefährdet und ohne weitere Zwischenfälle kamen wir in Bremen an.
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