Durch Tage ging das so fort. Dann legte sich ein Dunst über die Sonne. Es schlich etwas heran, eine zähe und flüssige Breimasse. Man spürte es in allen Gliedern. Die Nerven waren äußerst gespannt. Das, was kommen würde, konnte nichts Angenehmes sein.
Ein Wind kam auf, wälzte sich wie eine Woge heran, hüllte uns bald ein. Es war der Monsun, ein gefährlicher, tückischer, sandhaltiger Warmwind. Er sickerte überall durch, fraß sich ein, schmierig, ölig, widerlich. Er war zum Schneiden dick, man hatte das Gefühl, als bestehe er aus einer Wolke von Kleinstinsekten, die sich in die Haut einbohrten. Dämpfe brodelten auf. Die. Luft war ockergelb, schwefelig. Hinter dem dichten Vorhang die blasse Sonnenscheibe, deren grauenhafte Kraft durch die Nebelwand spürbar wurde. Sie verwandelte den Wind in diesen scheußlichen Brei, in dieses Chaos mißratener Naturerscheinungen, quirlender, durcheinanderwirbelnder Elemente, in diese grelle Symphonie schwelenden Brodems und giftiger Farben. Es kam mir vor wie die Szenerie zu einem unheilschwangeren Drama, das gleich beginnen würde.
Das Gespensterschiff zog seine Bahn durch den Brei. Geisterbleich bewegten sich die Männer umeinander, Schemen, keine Menschen aus Fleisch und Blut. Die Stimmen schallten wie aus weiter Ferne zueinander, klanglos, dumpf, geisterhaft. Die Gestalten gingen wie hinter einem Schleier, fratzenhaft verzerrt, durch Luftspiegelungen verzogen sich die Konturen und die Linien. Auch die Bewegungen waren anders als sonst sichtbar. Langsam und eigentümlich tastend schritten die Leute wie in Zeitlupenaufnahmen. Ihre Füße schienen sich nicht auf dem Boden zu befinden, sie traten fließend und zögernd in der Luft umher.
Der Wind änderte zeitweise seinen Charakter. Der zähe Nebel schwand. Andere Luftströmungen setzten sich durch, veränderten das Bild, zwangen die Verantwortlichen auf dem Schiff zu anderen Berechnungen, zu neuen navigatorischen Maßnahmen. In der Ferne wird ein Streifen Land sichtbar. Man schätzt auf zwei Kilometer. In Wirklichkeit sind es vielleicht zweihundert Meter. Die eigentümlichsten Luftströmungen können dicht nebeneinander bestehen, so daß zwischen dem Nebelbrei plötzlich eine klare und weite, scheinbar luftleere Rinne sichtbar wird. Es ist ein toller Spuk. Wie in einer laterna magica ändern sich die Bilder. Die merkwürdigsten Gespinste, Spiegelungen und Erscheinungen
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