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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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seien sie in einem herrlichen Rhythmus mit ihnen verbunden. Die treue Be­gleitung der Tiere hatte in diesem Aufruhr der Naturgewalten etwas Be­ruhigendes für mich.

Die erste Landung erfolgte in Port Perie auf Australien . Nun hieß es für mich verschwinden, damit ich nicht als Überzähliger den Häschern in die Hände fiel. Heimlich ging ich an Land, stahl mich wie der Dieb in der Nacht vom Schiff weg. Mutterseelenallein stand ich da in einem fremden Erdteil, wie vom Mond gefallen. Ich kam mir kläglich und ein wenig komisch vor, wie ich so mit meinem Bündel dahinschlich, keinen Weg und Steg, kein Ziel vor Augen, keine Bleibe in Aussicht, keinen Trost in mir, daß da irgendwo ein Mensch auf mich warte.

Es war dunkel. Ich hatte eine Karte bei mir und beschloß, aufs Geratewohl in südlicher Richtung zu wandern. Es mußten doch irgendwo Farmen oder An­siedlungen sein, wo ich unterkommen konnte. Mit diesem billigen Trost mar­schierte ich geradewegs ins Innere Australiens hinein. Gleich hinter dem Küsten­strich beginnt wüstenartiges Land, Steppe und Busch. Nach einigen Stunden wollte ich mich ein wenig zum Schlaf niederlegen. Aber ich konnte nicht ein­schlafen. Eine unerklärliche Angst befiel mich je länger je mehr. Australien ! Das Wort rief schreckliche Vorstellungen in mir wach: Buschmänner, die im Hinterhalt lauern, Kopfjäger , Schlangen und wilde Tiere, Hunger, Durst und mancherlei Gefahren im Hinterland. Ich hatte keine Waffe bei der Hand, nahm mein Taschenmesser heraus und hielt es zur Verteidigung bereit. Doch es regte sich nichts. Die Nacht verging still und friedlich.

Am Tage wanderte ich ein paar Stunden weiter. Es war sehr heiß. Meinen Wasservorrat hatte ich getrunken. Ich bekam Durst; es gab nirgends Wasser. Mit dem Durst quälten mich Angst und Sorge. Meine Einbildung gaukelte mir Schreckensbilder vor von Verdurstenden, die elend in Wüste und Sonnenbrand umkamen. Ich war bald erschöpft, wartete bis zum Abend und wanderte dann weiter. Bis jetzt hatte ich keine menschliche Behausung gesehen. Ich beschloß, wieder der Küste zuzustreben. Die Richtung war durch mehrere Hilfsmittel auszumachen. Aber ich konnte es nicht mehr lange aushalten. Würde ich recht­zeitig dieser Einöde entkommen? Diese bange Frage beschäftigte mich von nun an ausschließlich.

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