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Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
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zum Abschied die Hand und zum Kuß die Lippen reichte, und mit einem Anflug schmerzlichen Humors sagte:Die Rückkehr der verlorenen Tochter.

Und unsere Verlobung? fragte ich, ihre Hand haltend.

Ihr Gesicht verschönte ein kleines lächelndes Erröten.Unsere Verlobung? Sie soll zu deinem Traum gehören und auch zu meinem. Es war doch schön, gelt?

Resi, sagte ich leise und trat dicht vor sie hin.Du bist ein tapferer Mensch, ein guter Kamerad. Mit solch einem Kameraden durchs Leben gehen.\..

Sie hielt mir in komischer Verzweiflung den Mund zu.Laß dich nicht vom Gefühl des Augenblicks übermannen, mein Freund. Du kannst bei deiner Weltenbummelei keinen Gefährten brauchen. Und alles weitere findet sich.

Wenn du unser ‚Verlöbnis ernst nehmen wolltest, Resi ich würde mich verpflichtet fühlen...

Dummheiten! Willst du hier den Biedermann mit dem Eheversprechen markieren? Auf. der Komödie eines Grenzzwischenfalles möchte ich keine Ehe aufbauen. Du bist frei, wie ich auch. Aber ich, ich weiß nicht, ob ich jemals einen andern nehmen kann.

Sie überließ sich ein paar Minuten der Zärtlichkeit meiner Umarmung.

Sei es drum, sagte ich,behalten wir unsere Verlobung in unserem Traum, aber lassen wir doch die Möglichkeit offen, daß ein Traum auch Wirklichkeit werden kann.

Zwischen Lachen und Weinen blickte sie mir in die Augen.Vielleicht.... meinte sie, und die ganze Anmut ihres Wesens lag in diesem einen Wort.

Leb wohl, sagte sie dann, sich zusammenraffend und gab mir einen letzten festen Händedruck.

Sie ging nach rechts, ich nach links. Würden wir uns nocheinmal im Leben wiedersehen? Zur Zeit, wo ich dieses berichte, habe ich sie noch nicht wieder- gesehen. Aber ich glaube, ich werde sie bald wiedersehen, nachdem ich unter eigenartigen und schrecklichen Umständen in der Hölle ein Wiedersehen mit ihren Brüdern hatte, von deren Schicksal ich noch berichten muß, namentlich' vom Opfertode Erich Hubmanns.

Noch lange wehten unsere weißen Taschentücher einander Abschied im Winde.

Sie fuhr in die Heimat zurück, ich mit dem nächsten Zuge nach Genua .

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