Druckschrift 
Weltreise nach Dachau : ein Tatsachenbericht nach den Erlebnissen des Weltreisenden und ehemaligen politischen Häftlings / Max Wittmann ; aufgezeichnet von Erich Kunter
Seite
30
Einzelbild herunterladen

,, Nein. Sie können ja durch seine Machenschaften so unter seinem Einfluß stehen, daß Ihre freie Willensbestimmung ausgeschlossen ist."

Die Situation verschlechterte sich mehr und mehr für uns, sie erschien aus­weglos. Eine kleine Erleichterung gab mir das Gefühl, daß der Dolmetscher uns anscheinend wohlwollend gegenüberstand und uns durch seine ganze Ver­handlungsführung den Eindruck machte, als ob er uns nach Möglichkeit aus der Patsche helfen wolle. Natürlich konnte er über seine Befugnisse als Amts­person nicht hinausgehen und uns nicht allzu offenkundig einen Rat erteilen, der geeignet gewesen wäre, uns aus der schwierigen Lage zu erlösen.

" I

Wenn Sie also nichts geltend machen können", sagte er schließlich zu Resi, ,, etwa einen Verwandtschaftsgrad oder sonst ein nahes Verhältnis, na und so, Sie verstehen, so kann ich Ihnen leider nicht helfen. Dann müssen Sie beide zunächst ein paar Tage mit unserer Gastfreundschaft hier in einer allerdings nicht sehr bequemen und komfortablen Unterkunft zufrieden sein, bis die Er­hebungen in Perneck abgeschlossen sind und der Prozeß durchgeführt werden kann."

Ich begriff nicht. Aber Resi mit ihrem feinen weiblichen Instinkt hatte den Wink des Dolmetschers verstanden, und sie zog tapfer und vorurteilslos die Schlußfolgerungen daraus.

11

Was soll das alles bedeuten?" fragte sie in lautem und empörtem Ton. Warum diese Schikane? Ich bin verlobt mit Herrn Wittmann. Wir wollen Weihnachten heiraten. Darf ich keine Wanderung mit meinem Verlobten machen?!"

Der Dolmetscher lächelte, gab dem Richter Aufklärung. Der lächelte auch, klappte die Akten zu, sagte etwas, das wir uns leicht selbst ins Deutsche über­setzen konnten, ohne die fremde Sprache zu verstehen. ,, Na, schön, dann ist ja alles in Ordnung. Das Verfahren wird mangels Beweisen niedergeschlagen, die Anklage auf vorsätzliche strafbare Grenzübertretung oder wegen Ent­führung fallen gelassen."

Wir waren frei.

Aber der Resi hatte sich der Schrecken über diesen etwas peinlichen Beginn ihrer großen Reise ins Blaue doch stark in die Glieder gesetzt. Sie ließ sich nicht lange von mir zureden, nach Hause zurückzukehren. Es gab eine weh­mütige Trennungsstunde. Sie schluckte tapfer die Tränen hinunter, als sie mir

30