lebte, ein Mensch, dem es bestimmt war, unstet zu sein, der den Wechselfällen des Lebens mehr als andere ausgesetzt war. Ich mußte dauernd auf der Hut. sein, auf der Lauer liegen, um gegen alle Möglichkeiten und bösen Überraschungen gewappnet zu sein. Ich kam mir manchmal in gewissen Lebenslagen und in fremden Erdteilen vor wie der erste Mensch, der sich seine Existenz erst erkämpfen muß. Und in ein solch ungesichertes, unheilbedrohtes Leben sollte ich dieses unschuldige Kind hineinstellen, es auf Gedeih und Verderb an eine solche Steppenwolfnatur wie die meine ketten? Und noch ein anderes Gefühl verscheuchte meine Heiratsgedanken. Ja, zu meiner Steppenwolfnatur gehörte ein Naturkind. Im tiefsten Grunde war ich mit keiner Frau verbunden, auch wenn ich mich noch so gut mit ihr verstand. Es gehörte keine so zu mir, daß ich mein Leben mit ihr hätte teilen können. Aber doch: die eine. Diese Gewißheit war mir eingeboren. Dieses unstete Leben, dessen Wege so kraus und verworren waren und manchmal keine Folgerichtigkeit, keinen tieferen Sinn erkennen ließen, war sicher nur ein Weg zu ihr.
Die schönen Wochen der holden Zuneigung gingen dahin. Der Tag kam, da wir Abschied nehmen sollten. Resi war tief bestürzt, warf sich flehend an meinen Hals. Nimm mich mit, Liebster!"
Ich suchte es ihr auszureden. Sie aber drang so lange in mich, bis ich ihr zugestand, daß sie eine Zeitlang mit mir wandern dürfe.
Es wurde ein Wanderweg herzlicher Kameradschaft. Wir lebten wie zwei Kinder, sorglos und heiter, unter einem ständig blauen Himmel, ganz dem Tag und der Schönheit der Natur hingegeben. Es ging lange gut. Bis wir an die jugoslawische Grenze kamen. Da brach das Unheil über uns herein. Beim Grenzübertritt wurden wir von einem serbischen Soldaten festgenommen. Der wollte uns nach der Wache führen. Bei einer kleinen Spezereihandlung machte er halt und hieß uns warten. Anscheinend wollte er Tabak oder Schnaps kaufen. Ich blickte Resi an:" Wollen wir's wagen?"
Sie nickte zum Einverständnis.
Mit einigen Sätzen stürmten wir um das Haus, in eine Seitengasse hinein, von dort in Gärten und Gebüsch und dann, in die Deckung eines Hohlweges, der in den nahen Wald führte. Wir waren entwischt.
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Aber mit des Geschickes Mächten...
Nachdem wir unterwegs kurz Rast gemacht hatten, gelangten wir singend


