Doch das-dicke Ende kam bald hintendrein. Kaum auf See, wurde der an- gebliche Seemann in kürzester Frist der Hochstapelei überführt. Die see- männischen Befehle und Ausdrücke waren für mich böhmische Dörfer. Mit Schimpf und Schande wurde ich aus dem Kreis zünftiger Seeleute davongejagt
und als Schiffsjunge angemustert. Der Kapitän ließ eine Flut von Schimpf- wörtern, Flüchen und schlimmsten Injurien über mich dahinspülen, so daß ich ganz zerknirscht und zerknautscht dastand. Da wurde plötzlich sein Ton wieder milde, väterlich:„Na; so schlimm ist das ja nun nicht, mein Junge”, sagte er versöhnlich,„ich meine es gut mit dir. Als Schiffsjunge muß man eben an- fangen. Dann kann doch noch ein brauchbarer Seemann aus dir werden.”
Der Kapitän hatte künftig keinen Grund mehr, noch einmal mit mir zu schimpfen. Ich war glücklich, zu bemerken, daß er mich oftmals wohlgefällig bei der Arbeit beobachtete. Ja, dann und wann knurrte er sogar etwas, was wie ein Lob klang.
Ich mußte hart arbeiten, ich strengte mich nach Kräften an und gab in nichts den andern nach. Leider dauerte die Freude auf diesem Schiff nicht lang. Zurückgekehrt nach Dänemark , mußte ich das Schiff verlassen, weil es auf- gelegt wurde. Es bekam keine neue Order, eine weitere Fahrt zu unternehmen. Doch hatte ich die Genugtuung, daß mich der Kapitän als Seemann anerkannte und mir entsprechende Schiffsdecharge gab.
Was nun? Wie so oft in meinem Leben, ließ ich mein Tun weniger von Überlegungen bestimmen, als von irgendeinem Impuls. Es kam mir in den Sinn, quer durch Mitteleuropa nach Jugoslawien zu tippeln, Ich durchstreifte deutsche Gaue und kam auf meiner Wanderschaft wieder durch Österreich . Unterwegs machte ich da und dort für_Tage oder Wochen Station, zuweilen nahm ich kurzfristig irgendeine Arbeit an. So auch im Österreichischen in dem Ort Perneck bei Bruck an der Mur , wo ich zwei Monate lang im Elektrizitäts- werk arbeitete. Einige Male mußte ich aufs Rathaus zum Bürgermeister, einem intelligenten, überdurchschnittlich gebildeten Mann, der sich lebhaft für mich interessierte. Ich erzählte ihm einiges aus meinem bewegten Leben. Bei Ge- legenheit traf ich auch die beiden Söhne des Bürgermeisters, Erich und Joseph Hubmann, mit denen ich dann oft beisammen war und gute Kameradschaft
schloß.
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