manches, was mich stark beeindruckte. Im allgemeinen war die Stimmung der Menschen eine gehobene, man fühlte, sie waren gelöst von ihrem kleinen Alltag, sie waren innerlich bereit, ihre Herzen zu erheben und sich Gott und dem Guten zu öffnen. Und doch gelang dies den meisten auch nur selten, für Stunden, in den Zeiten der Andacht, der inneren Einkehr oder des Zusammenseins verbindender Religionsgemeinschaft. Sonst schmeckte es auch hier, wie überall, wo Menschen beieinander sind, oft fatal nach menschlicher Unzulänglichkeit und Eigensucht. Habgier, Neid, Klatsch und Verleumdung trübten den Weg zu dem guten Ziel. Ich empfand da manchmal schmerzlich, wie krank doch die Menschen sind, wie zerfressen innerlich von Habsucht und Eigennutz, wodurch sie sich und andere unglücklich machen. ,, Wollen habe ich wohl, aber vollbringen das Gute..." In den Stunden der Rast setzte ich mich bisweilen abseits und hielt meine Andacht für mich( obwohl ich mich oft und gern auch zu den Andachten und Gottesdiensten der anderen gesellte). Dann holte ich in einer stillen Stunde das Büchlein meiner Mutter hervor und las darin, erstmals innerlich angerührt von den großen Wahrheiten der Bibel.
Den Heiligen Vater bekam ich leider nicht zu sehen. Nach einiger Zeit trennte ich mich von dem Pilgerzug und wanderte meine Straße allein weiter.
Mein Ziel war Florenz , für mich ein Märchenname, der mein Herz stärker schlagen ließ. An einem heißen Nachmittag begegnete ich auf einer schmalen Fahrstraße einem Fuhrwerk, einem zweirädrigen Karren, der ein Fuder Wein geladen hatte. Der Fuhrmann saß vornübergebeugt, er war eingeschlafen. Die günstige Gelegenheit lockte, und so setzte ich mich auf den Karren hintenauf. Nach einer Weile erwachte der Fuhrmann, lud mich freundlich ein, vorn auf seinem Sitz Platz zu nehmen. Er konnte etwas Deutsch , war im Krieg 1914-18 in deutscher Gefangenschaft gewesen. Sein Gesicht strahlte rot und weinfroh. Die Landschaft gefiel mir, der Mensch gefiel mir so etwas war immer und überall für mich Grund genug, zu verweilen. Nie habe ich in meinem Leben danach getrachtet, reich zu werden, üppig zu leben und den Tanz um das goldene Kalb, um Macht, Ehre und Reichtum mitzumachen. Mir kam es stets darauf an, mich frei bewegen zu können und mich wohlzufühlen. Höher gingen meine Wünsche und mein Ehrgeiz nicht. Irgendwo auf der Welt zu sein, wo es schön war, wo ich menschliche Wärme verspürte, was konnte ich mehr vom Leben erwarten? Abends in ein Haus einzukehren, wo ein guter
Kunter- Wittmann, Weltreise, 2
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